Freitag, 27. Februar 2009

Der Lack ist ab: Scharfe Attacken von Ex-
FARC-Geiseln an Verhalten Betancourts

  • Neues Buch enthüllt: "Arroganz" und "Geltungssucht"
  • Schwärzte Mitgeiseln als "CIA-Agenten" bei Wärter an

Nach ihrer Befreiung wurde sie gefeiert wie ein Popstar. Ingrid Betancourt verbrachte sechs schwere Jahre als Geisel im kolumbianischen Dschungel. In einer spektakulären Befreiungsaktion gelang es, sie aus den Fängen der Guerilla zu befreien. Doch ihr Opfer-Image hat nun einen deutlichen Kratzer erhalten: Drei ehemalige Geisel haben nun ein Buch veröffentlicht, in dem sie Betancourt scharf attackieren.

Die im vergangenen Juli nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft bei den kolumbianischen FARC-Rebellen befreite Betancourt ist von früheren Leidensgenossen scharf angegriffen worden. Während die 47-Jährige außerhalb Kolumbiens bisher wie eine Heldin gefeiert wurde, werfen ihr die drei Amerikaner Marc Gonsalves, Keith Stansell und Tom Howes in ihrem vor kurzem veröffentlichten Buch "Out of Captivity" "Arroganz" und "Egoismus" vor.

Geltungssucht und Anschwärzungen
In dem Buch mit 457 Seiten beschreiben sie Betancourt als eine geltungssüchtige Person, die sich ständig in den Vordergrund spielte, anderen ihre Regeln aufdrängen wollte und Kleidung sowie Schreibmaterial anderer Geiseln gehamstert habe. Sogar über die Farbe ihrer - hellblauen - Matratze habe sie sich beschwert. Auch habe sie keine Informationen weitergegeben, die sie aus einem versteckten Transistorradio hatte. Nach Angaben der Zeitung waren weder Betancourt noch ihre Familienangehörigen für eine Reaktion auf das Buch zu erreichen.

Den wohl schwersten Vorwurf erhob Stansell. Betancourt habe die drei Amerikaner, die nach dem Absturz ihres Flugzeugs 2003 in die Gewalt der marxistischen Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) geraten waren, bei den Bewachern als "CIA-Agenten" angeschwärzt. Vielleicht hätten sie auch einen "Chip" im Körper, der eine Ortung durch die Sicherheitskräfte erleichtern würde, habe sie behauptet. "Sie hätten uns umbringen können, nur weil Ingrid mehr Platz für sich selbst beanspruchte", wird Stansell zitiert.

Seit Betancourt und insgesamt 14 weitere Geiseln, darunter auch die drei Amerikaner, am 2. Juli 2008 durch ein Täuschungsmanöver der Streitkräfte befreit wurden, hatte es immer wieder Gerüchte und Andeutungen in Büchern anderer Geiseln über Konflikte und Liebesbeziehungen unter FARC-Geiseln gegeben. So offen und hart aber war Betancourt, die nach einem Bericht vom Dezember zurzeit selbst ihre Erinnerungen niederschreibt, bisher nie kritisiert worden.
(apa/red)

27.2.2009 17:04