Donnerstag, 26. Februar 2009

Williamson kehrt nach London zurück: Argentinien weist Holocaust-Leugner aus

  • Brite war in seinem Gastland nicht mehr willkommen
  • Seine Aussagen sind in Großbritannien nicht strafbar

Unter großem Medienrummel ist der als Holocaust-Leugner hervorgetretene Bischof Richard Williamson von der ultrakonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. im Londoner Flughafen Heathrow eingetroffen. Er hatte am Vortag Argentinien verlassen, wo ihm die Ausweisung drohte.

Gekleidet in eine Soutane, wurde der 68-jährige Brite, der 1988 von dem Konzilsgegner Erzbischof Marcel Lefebvre die Bischofsweihe empfangen hatte, von mehreren Polizisten zum Ausgang begleitet. Er gab keine Stellungnahme ab; sein Ziel blieb vorerst unbekannt. Bei seiner Abreise in Buenos Aires war es zu einem Zusammenstoß mit einem Journalisten gekommen, der ihn zu einem Kommentar drängen wollte.

Treffen mit Holocaust-Leugnerin
Williamson hatte in einem TV-Interview die Behauptung aufgestellt, dass in nazideutschen Vernichtungslagern nicht sechs Millionen Juden umgebracht worden seien, sondern maximal 300.000, davon allerdings kein einziger in Gaskammern. Nach Informationen der "Times" sollte sich Williamson laut Kathpress am Flughafen mit Michele Renouf treffen, einer Society-Größe und Holocaust-Leugnerin. Zudem berichtete das Blatt, Williamson habe den umstrittenen Historiker und Holocaust-Leugner David Irving konsultiert, um mit ihm seine Aussagen abzustimmen.

Leitung wurde ihm entzogen
Die Pius-Bruderschaft hatte nach eigenen Angaben beschlossen, dass Williamson nach der Niederlegung der Leitung eines Priesterseminars bei Buenos Aires das südamerikanische Land verlassen sollte. Die Annullierung der Exkommunikation von Williamson und drei weiteren von Lefebvre unerlaubt geweihten Bischöfen durch Papst Benedikt XVI. im Jänner hatte vielfach Kritik hervorgerufen.

Ein Sprecher des britischen Innenministeriums erklärte vor der Einreise, Williamson sei britischer Staatsbürger und habe sich im Land nichts zuschulden kommen lassen. In Großbritannien ist die Leugnung der Shoah kein Straftatbestand. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Williamson, auch in Frankreich wurde Anzeige erstattet.
(apa/red)

26.2.2009 07:30