Dienstag, 24. Februar 2009

Wilde Gerüchte nach dem Anschlag in Kairo:
Bombenattentat kam Regierung gerade recht

  • Günstig für umstrittenes neues Anti-Terror-Gesetz
  • Weitere Verdächtige vernommen - PLUS: Die Bilder

Nach dem Terroranschlag auf westliche Touristen in Kairo mit einer Toten und 25 Verletzten kursieren in Ägypten Verschwörungstheorien und wilde Gerüchte. Laut Medienberichten erhielten einige Ägypter wenige Stunden nach der Explosion einer Bombe im Khan-al-Khalili-Bazar eine SMS. Darin sei angedeutet worden, die Bombe sei gelegt worden, um die geplante Verabschiedung des umstrittenen Anti-Terror-Gesetzes zu erleichtern. Das Gesetz wird von der Opposition als Versuch gewertet, den seit 1981 in Ägypten geltenden Ausnahmezustand unter anderem Namen fortzusetzen.

Die Zeitung "Al-Masry Al-Yom" berichtete, Augenzeugen hätten ausgesagt, nach der Explosion sei direkt neben dem Tatort ein Mann zu einem Auto gerannt, das an der benachbarten Al-Azhar-Straße auf ihn gewartet habe. Aus Sicherheitskreisen hatte es geheißen, die Polizei habe zwei Frauen und drei Männer als Tatverdächtige inhaftiert.

Ehemalige Führungskräfte der Sicherheitsorgane und unabhängige Anti-Terror-Experten kritisierten unterdessen in der Kairoer Zeitung "Al-Badeel" die aus ihrer Sicht mangelhafte Disziplin und Kompetenz der ägyptischen Polizei. An allen Sehenswürdigkeiten in Kairo seien zwar täglich viele Polizisten im Einsatz. Diese seien aber schlecht ausgebildet und unmotiviert, so dass nicht zu erwarten sei, dass sie einen Terroranschlag verhindern könnten.

Mit Zeitschaltuhr gezündet
Mittlerweile wurde bekannt, dass die Bombe auf dem Khan-el-Khalili-Basar mit der Zeitschaltuhr einer Waschmaschine gezündet worden ist. Diese Methode wurde in Ägypten schon mehrfach angewandt - so auch bei der Serie von Anschlägen auf der Sinai-Halbinsel, wo zwischen 2004 und 2006 rund 120 Menschen, überwiegend Touristen, getötet wurden. Experten vertraten aber weiter die Ansicht, dass es sich bei den Urhebern des jüngsten Anschlags um eine bisher unbekannte Gruppe ohne Verbindungen zu den gut organisierten Attentätern der Vergangenheit handle.

Die selbstgebaute Bombe, die am Sonntag eine 17-jährige Französin in den Tod riss, wog nur etwa 750 Gramm. Sie enthielt Schwarzpulver sowie Nägel, Steine und Metallstücke, wie ein Beamter der Sicherheitsbehörden aus einem Polizeibericht zitierte. Insgesamt wurden 24 Menschen verletzt, darunter 17 weitere französische Jugendliche und ein Deutscher. Ein 14-jähriger Ägypter befand sich am Dienstag noch im kritischen Zustand.

Verdächtige vernommen
Nach Angaben des Innenministeriums wurden weitere Verdächtige verhört, Einzelheiten wurden aber nicht mitgeteilt. Am Montag war die Festnahme von drei mutmaßlichen Beteiligten gemeldet worden. Vernommen wurden auch die Beschäftigten und Gäste des am Tatort gelegenen Hussein-Hotels. Deponiert war der Sprengsatz nach Behördenangaben in einem Plastikbehälter unter einer steinernen Bank nahe der Hussein-Moschee.

Die Muslimbruderschaft, die größte Oppositionsgruppe in Ägypten, verurteilte den Anschlag ebenso wie die militante Gruppe Al Gamaa al-Islamiya. Letztere war unter anderem in die Ermordung von Präsident Anwar al-Sadat im Oktober 1981 verwickelt, hat aber inzwischen der Gewalt abgeschworen.

Die französische Schulklasse, die am schwersten von dem Anschlag betroffen war, kehrte mittlerweile nach Paris zurück. Die Eltern der getöteten 17-Jährigen trafen in Kairo ein, um den Leichnam ihrer Tochter abzuholen.

(apa/red)

24.2.2009 19:32