Dienstag, 24. Februar 2009

"Pension F." wird zur reinen Mediensatire:
Kamerateams suchen verzweifelt Zuseher

  • Bühne wird nach Schlussapplaus zum Medienzentrum
  • Das Theatralische wird mit dem Analytischen ergänzt

Vor über 50 akkreditierten Medienvertretern, jeder Menge Fotografen und sieben Kamerateams wurde an der Wiener Off-Bühne 3raum-anatomietheater eine "ultimative Mediensatire" uraufgeführt. Das von Theatermacher Hubsi Kramar und dem Projektdesigner Hermann Fritzl konzipierte Stück heißt nun "Pension F. ehemals Pension Fritzl" und wurde zu einem über dreistündigen Spektakel.

Wenn bereits vor dem von der Polizei bewachten Theatereingang ein eigens aus Bergen angereistes norwegisches Kamerateam vergeblich nach "normalen Zuschauern" als Interviewpartner Ausschau hielt, weitere Aufnahmeteams von BBC, RTL, ATV, Puls4, ORF und Al-Jazeera die Bühne unmittelbar nach dem Schlussapplaus in ein Medienzentrum verwandelten, in dem Kramar unter gleißendem Scheinwerferlicht ein Interview nach dem anderen geben musste, dann wurde klar, dass ein wesentlicher Teil der Dramaturgie funktionierte und dafür bereitwillige Mitspieler gefunden wurden. Für die zweite Vorstellung sind weitere Kamerateams aus Dänemark, Holland, Russland und der Schweiz akkreditiert.

Heftige Angriffe im Vorfeld
Das Stück, das sich sowohl mit familiärer wie mit medial ausgeübter Gewalt auseinandersetzt und verschiedene Aspekte der österreichischen Politik und Gesellschaft aufs Korn nimmt, ist eine anarchische Mischung aus Revue und Satire, Musik und Gesang, Trash und Video, Medienkritik und Improvisation. Im Vorfeld hatte es heftige Angriffe von Boulevardmedien gegen das Stück und seine Macher gegeben, diese finden sich nun als Teil der Inszenierung wieder.

"Das Stück hat ganz klassisch drei Akte", erklärte Hermann Fritzl. "Der erste war das weltweite Echo auf unsere Ankündigung, der zweite passiert heute Abend, und der dritte werden die weiter wirkenden Reaktionen darauf sein." Das ganze Projekt soll in Buchform dokumentiert werden, "weil wir glauben, dass wir dem Theatralischen noch das Analytische hinzufügen sollten".
(apa/red)

24.2.2009 10:58

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