Es hagelt Kritik aus eigener SPÖ-Reihe: Schülervertreter uneins und Lehrer empört
- Roter Akademikerbunds zeigt sich mit Enttäuschung
- ÖVP lehnt Forderungen der Unterrichtsministerin ab
Innerhalb der SPÖ hat sich die Kritik an der Ankündigung von Unterrichtsministerin Claudia Schmied verstärkt, dass alle Lehrer zwei Stunden länger in der Klasse stehen sollen. Sie "unterstützen die Ministerin diesmal nicht", so die AHS-Lehrer des SPÖ-Akademikerbunds BSA, wo Schmied im Vorstand sitzt. Im oberösterreichischen Landtag will die SPÖ eine Resolution gegen "den unmenschlichen Umgang" mit den Lehrern einbringen, die Pflichtschullehrer-Vertreter in der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) werfen Schmied vor, mit falschen Zahlen zu argumentieren.
Beim BSA reagierte man mit "Enttäuschung" und Trotz auf Schmieds Ankündigung. "Den jetzigen Finanzierungsvorschlag am Rücken der LehrerInnen auszutragen, wird strikt abgelehnt", so die dortige AHS-Vorsitzende Eva Mersits. Zwar unterstütze man Schmieds Reformkurs, die nötige Finanzierung müsse jedoch "durch gerechte Umverteilung im Budget gewährleistet werden". Ähnlich die Argumentation der SPÖ-Oberösterreich: Es dürfe nicht "der Sparstift primärer Antreiber von Bildungsreformen sein, sondern die Qualität muss im Zentrum stehen". Der FSG kritisierte, Schmied habe es "verabsäumt, gemeinsam mit den Lehrern um ausreichend budgetäre Mittel zu kämpfen". Stattdessen schwinge sie nun "die Ferienkeule": "Uns der Neidgesellschaft auszuliefern hat uns nicht nur verärgert, sondern entsetzt".
Unterstützung bekam Schmied indes von der AKS: Für sie komme "ein Sparen auf Kosten der Schüler und der Unterrichtsqualität nicht infrage", sie unterstütze daher, dass man "nun auch von den Lehrern einen maßvollen Beitrag einfordert". Für die BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner geht die Ausweitung der Unterrichtsverpflichtung "grundsätzlich in die richtige Richtung", da Begleitmaßnahmen fehlen würden, sie sie aber "unausgegoren". Man müsse zusätzlich Lehrer von Verwaltungsaufgaben befreien und Doppelgleisigkeiten und Parallelstrukturen abschaffen.
ÖVP-Ablehnung
Auch ÖVP-nahe Organisationen blieben bei ihrer Ablehnung. Die Schülerunion ortete eine Themenverfehlung: Wichtig sei nicht, wie lange ein Lehrer in der Klasse stehe, sondern "was den Schülern im Unterricht geboten" werde. Die Frauen-Vorsitzende der GÖD, Christine Gubitzer von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) warf Schmied vor "Frauenhatz" zu betreiben, da Frauen überproportional von der Maßnahme betroffen seien - sie stellen 70 Prozent der Pflichtschullehrer und mehr als die Hälfte des Personals in den übrigen Schultypen. Gubitzer kritisierte auch, dass Schmied als Sparmaßnahme im Ministerium jene Sektion auflösen will, an deren Spitze sich eine Frau "verdient" gemacht habe.
Die KPÖ ortete eine "Entsolidarisierung", Schmied habe die Lehrer "zum Sündenbock der Nation" gestempelt und "mit Hilfe willfähriger Medien diese Berufsgruppe zur Hetzjagd" freigegeben.
(apa/red)
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