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Bauliche Mängel alarmieren das Hohe Haus!
- Schnee könnte Parlamentsdach zum Einsturz bringen
- Gutachten rät "dringend" zur umfassenden Sanierung
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Ein von der Nationalratspräsidentin Barbara Prammer in Auftrag gegebenes Gutachten über den baulichen Zustand des Parlaments hat schwere Mängel am Gebäude festgestellt. Unter anderem sei die Dachkonstruktionen in einem "mehr als schlechten Zustand" und bei hohen Schneelasten sogar nur "bedingt tragfähig" - also einsturzgefährdet, heißt es im Bericht des Sachverständigen, der dazu rät, "sofort" mit Renovierungsarbeiten zu beginnen. Die empfohlenen Sanierungsarbeiten würden den Betrieb im Hohen Haus etwa bis zu eineinhalb Jahre tangieren und inklusive Nebenkosten geschätzte 20 Mio. Euro kosten.
Bei der Glas-Metallkonstruktion des Daches sei laufend mit neue Lecks und mit Glasbruch zu rechnen, es bedürfe deshalb "dringend" einer Sanierung. Laut dem Sachverständigen Matthias Rant tritt durch die zahlreichen undichten Stellen auch laufend Feuchtigkeit in das Mauerwerk - die Bausubstanz verschlechtert sich dadurch noch zusätzlich. Auch die Elektroinstallationen werden durch das Wasser gefährdet.
Die Dachschalung außerhalb des Bereiches des Nationalratssitzungssaales ist laut dem Gutachten durch die Kondensatbildung teilweise "vermorscht". Statiker bemängelten zudem bereits im Jahr 2001 die geringe Tragfähigkeit der Glasdachkonstruktion bei großen Schneemengen. Das Gutachten empfiehlt zumindest eine Erneuerung der gesamten Eindeckung und die Teilerneuerung der Sparren und der Schalung.
Erhöhtes Gefahrenpotenzial
Die Elektroinstallationen entsprechen in manchen Bereichen aufgrund ihres Alters "keinesfalls dem Stand der Technik". Durch die laufend eintretende Feuchtigkeit würde sogar ein "erhöhtes Gefahrenpotenzial" entstehen. Insbesondere in den Klemmkästen sei Überhitzungsgefahr gegeben, was zu Kabelbränden führen kann.
Wobei das Hohe Haus für den Brandfall nicht gewappnet sei: Gänzlich fehlen würden Rettungszeichen-Leuchten für Fluchtwege auf den Gängen der Balkonebene und im Technikgeschoß unterhalb des Sitzungssaales. Sollte im Parlament ein Feuer ausbrechen, könnte das Gebäude schnell zur "Brandfalle" werden: "Zeitgemäße Brandschutzeinrichtungen sind nicht vorhanden", heißt es in dem Gutachten. Das Haus verfügt über keine Brandabschnitte, was "erhöhte Gefahr für Leib und Leben" bedeutet. Derzeit ist ein Brandschutzkonzept in Ausarbeitung.
Stühle brechen zusammen
Der Sachverständige führte außerdem an, dass die Möblierung und Bestuhlung "die Grenzen ihrer Lebensdauer bereits überschritten" haben. Immer wieder würden Stühle zusammenbrechen. Auch gibt es zu wenige Sanitärräume. Weitere festgestellte Mängel betreffen auch die Arbeitsräumlichkeiten für Journalisten und die Galerie für Sitzungsbesucher.
Gerade im Nationalratssaal sei die Wärmedämmung besonders schlecht. Neben der Dachkonstruktion, die zu "exorbitanten" Wärmeverlusten führt, seien auch die vorhandenen Fenster undicht. Eine Sanierung dieser Bereiche ließe bereits in wenigen Jahren eine Verbesserung und ein erhebliches Einsparungspotenzial bei den Energiekosten erwarten.
Die Empfehlung des Gutachters: Jene Bereiche, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellen können, sollten sofort saniert werden. Der Parlamentsbetrieb wäre aufgrund von Umbauarbeiten etwa ein bis eineinhalb Jahre betroffen, so die Schätzungen. Auf Preisbasis September 2008 würden sich Kosten von insgesamt 15.979.200 Euro brutto ergeben, an Nebenkosten seien weitere 4,8 Mio. Euro zu erwarten, beruft sich der Gutachter auf Schätzungen der Parlamentsdirektion.
(apa/red)
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