Donnerstag, 26. Februar 2009

Schmied bleibt trotz Protesten unerbittlich:
Lehrer müssen zwei Stunden länger arbeiten

  • Widerstand gegen Unterrichtsministerin auch aus SP
  • Gewerkschaft bekräftigte inzwischen Streikdrohungen
    IHR KOMMENTAR: Sollen die Lehrer mehr arbeiten?

Claudia Schmied lässt sich von den massiven Protesten - auch aus eigenen Reihen - nicht beeindrucken: Nach dem Willen der Unterrichtsministerin wird die Unterrichtsverpflichtung für alle Lehrer um zwei Stunden ausgeweitet. "Das wird durchgeführt, da gibt es kein Rütteln an dieser notwendigen Maßnahme", erklärte der Sprecher Schmieds. Rückendeckung bekam Schmied von Bundeskanzler Werner Faymann: Dieser unterstütze die Ministerin inhaltlich und auch in der Vorgehensweise, angestrebt werde eine einvernehmliche Lösung mit der ÖVP, sagte eine Sprecherin des Kanzlers.

Schmied hat in einem Brief an alle Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter ihr Vorhaben erläutert: Das nur gering erhöhte Budget habe ihr nur zwei Möglichkeiten geboten: "Entweder wir reduzieren das Angebot für unsere Kinder, kürzen bei knappem Budget Schulstunden, vergrößern die Klassen wieder, streichen Förderkurse und stoppen damit die Bildungsreform. Oder wir erhöhen den Einsatz unserer Lehrerinnen und Lehrer im Klassenzimmer." Diese Maßnahme will Schmied wie geplant im Rahmen der Budgetbegleitgesetze umsetzen, sie rechne weiterhin mit der dafür benötigten Unterstützung durch Finanzminister und ÖVP-Obmann Josef Pröll.

Wissenschaftsminister Johannes Hahn sprach von einem "kühnen Vorstoß" Schmieds; wenn sie die Lehrer zum Mitmachen überzeugen könne, sei alles bestens. Hahn betonte allerdings, dass gerade in Hinblick auf den in den kommenden Jahren zu erwartenden Personalmangel "sehr behutsam" mit Lehrern umgegangen werden müsse. Erwartungsgemäß heftig fiel die Reaktion seines Parteikollegen Fritz Neugebauer aus. "Das wird mit Sicherheit nicht stattfinden", sagte Neugebauer und warf Schmied "verfehlte Budgetperspektiven" und Planung vor.

SP-interner Widerstand
Auch innerhalb der SPÖ sorgte Schmieds Vorhaben für Widerstand. Schmieds Vorstoß komme "zur falschen Zeit", so die derzeit wahlkämpfende Salzburger Landeshauptfrau und Bildungslandesrätin Gabi Burgstaller. Geschlossen negativ haben Lehrer-Vertreter - auch jene der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) reagiert. Prinzipiell sei man zwar zur Verhandlung über "dienstrechtliche Veränderungen bereit", Schmieds Ansatz sei jedoch eine "Arbeitszeiterhöhung für nur eine Berufsgruppe, um Lücken im Budget zu stopfen". Dagegen konnte sich der Sozialdemokratische Lehrerverband (SLÖ) für Schmieds Plan erwärmen - jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen.

In den ÖVP-regierten Ländern Vorarlberg und Tirol ist man von den Plänen ebenfalls nicht begeistert. Positive Signale kommen hingegen aus Kärnten und Wien. ÖGB-Chef Erich Foglar und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl riefen die Beteiligten zu Gesprächen auf.

Gewerkschaft bekräftigt Streikdrohung
Die Lehrer-Vertreter in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) haben ihre Streikdrohung erneut bekräftigt, Unterstützung bekamen sie von der Unabhängigen Lehrergewerkschaft (ÖLI-UG). Laut AHS-Lehrervertreterin Eva Scholik hat an vielen Schulen heute in Pausen bereits ein erster Meinungsaustausch der Lehrer stattgefunden. Viele weitere Lehrer-Vertreter aus den Bundesländern machten ihrem Unmut per Aussendung Luft.
(apa/red)

26.2.2009 16:28
herei, 26. 02. '09 21:44
Denn sie weiß nicht, was sie tut!
Es ist ja wirklich sehr leicht, mit einer plakativen Zahl von 607 Arbeitsstunden pro Jahr in eine "Diskussion" zu gehen. Tatsache ist vielmehr, dass jeder Pflichtschullehrer eine Jahresarbeitszeit von knapp über 1800 Stunden hat. Dies ist durch eine amtliche Dienstvereinbarung jederzeit überprüfbar. Für den Unterricht sind davon je nach Schulart zwischen 756 und 792 Stunden veranschlagt. Vor- und Nachbereitung finden am "hauseigenen" Arbeitsplatz mit eigenen Materialien statt. Wenn ein Lehrer die Schule verlässt ist er nicht fertig mit seiner Arbeit. Leider sind Neid und Unwissenheit Instrumente auf denen manche PolitikerInnen und Journalisten perfekt spielen können. Traurig ist nur, dass sehr viele Österreicher der Vernichtung von Arbeitsplätzen mit Begeisterung zustimmen.
Sonic99, 26. 02. '09 22:49
Re: Denn sie weiß nicht, was sie tut!
Das müssen ja alles Wunderwuzis sein, die in 2/3 des Jahres mehr Stunden arbeiten als ein normaler Dienstnehmer - Gratuliere, aber PISA spricht da leider eine andere Sprache.
Abgesehen davon, was spricht dagegen, die bezahlte Arbeitszeit etwas anders aufzuteilen - mehr in der Schule und weniger am "hauseigenen" Arbeitsplatz. Und was die Vernichtung von Arbeitsplätzen angeht, da kann ich in Anbetracht des Anteils an pragmatisierten Lehrern (unkündbar mit Versetzungsschutz) nur herzhaft lachen. Arm sind die jungen und engagierten Lehrkräfte, die wegen des von einer uneinsichtigen Gewerkschaft veruirsachten Imageschadens leiden müssen. Übrigens die beiden wichtigsten Gründe um Lehrer zu werden : JULI und AUGUST - zumindest so empfinde ich die Argumentation der diversen Gewerkschafter.
write, 27. 02. '09 00:29
Re: Denn sie weiß nicht, was sie tut!
Es gibt wohl niemanden, der irgendeinem Lehrer wegen der Anzahl der Arbeitsstunden bedauert. Es beginnt damit, dass kein anderer Berufsstand ohne Weiterbildung auskommt. Nur die lieben armen Lehrer haben den pädagogischen Wissensstand Ihrer Ausbildung- und die ist oft Jahrzente her. Nicht einmal zwingende Erlässe des Ministeriums sind Ihnen bekannt- es ist ja eh egal- sie sind Beamte, unkündbar und gewerkschaftlich geschützt! Viele nicht mehr fähig, Minimalansprüchen an pädagogisch korrekten Unterricht zu genügen- aber mit Parteibüchern versehen.
Es gibt auch engagierte, gebildete Lehrer- aber die Meisten sind inkompetente Flaschen, nicht bereit Ihr Wissen und Wirken zeitgemässen Bedürfnissen anzupassen!
Frau Minister- mein Kompliment für den richtigen Weg!
Sonic99, 26. 02. '09 18:00
2 Stunden mehr - eine Unmöglichkeit?
Zunächst bezweifle ich die immer wieder strapazierte Arbeitszeit für Vor - und Nachbereitung der Stunden vor allem bei altgedienten Lehrern, die dieselbe Vorbereitung für Ihren Gegenstand seit Jahren verwenden - oder hat sich z.B. die Mathematik seit 100 Jahren wesentlich geändert? . Dazu kommen die immerhin 4 Monate unterrichtsfreie Zeit, die nicht zur Fortbildung genutzt wird - denn diese passiert natürlich während der Schulzeit.
Mein Vorschlag wäre daher folgender:
1) 40 Stunden Anwesenheit in der Schule
2) Mitwirkung bei Ferienkursen etc.
3) 2 Wochen Nachbereitung nach Ende des Schuljahres (Behandlung von Einsprüchen etc., Kustodiatstätigkeiten)
4) 2 Wochgen Anwesenheit VOR Schulbeginn - Abwicklung der Nachprüfungen etc.

5 Wochen Urlaub wie jeder andere Erwerbstätige.
Rasso, 26. 02. '09 18:41
Re: 2 Stunden mehr - eine Unmöglichkeit?
Ich lade jeden gerne ein, sich die Arbeitsplatzsituation der Lehrer vor Ort anzusehen. Es gibt nicht wenige Schulen, wo man sich den Arbeitsplatz mit Kollegen teilen muss. So ist es mit Sicherheit nicht möglich, die erwähnten 40 Stunden Anwesenheit mit Vor- und Nachbereitungszeit an der Schule zu verbringen.
helmutB, 26. 02. '09 20:22
Re: 2 Stunden mehr - eine Unmöglichkeit?
Schon einmal etwas von Differenzierung und Individualisierung gehört? D.h. mehrere verschiedene Vorbereitungen für eine Stunde um alle bestmöglich zu fördern. Übrigens, wenn das so ein toller Job ist, warum gibt es dann einen LehrerInnenmangel?
write, 27. 02. '09 00:33
Re: 2 Stunden mehr - eine Unmöglichkeit?
Welche Fortbildung?
Rechtlich kann kein Mensch Lehrer zwingen, Ihr Wissen zu aktualisieren! Fortbildung passiert hier nur theoretisch und absolut freiwillig- also fast nie!
Dazu hat doch so ein armer, überarbeiteter Lehrer keine Zeit....faules Pack faules...
Ulf01, 26. 02. '09 17:31
Pisa-Studie - Lehrerarbeitszeit
Also wenn wir uns die Ergebnisse der Pisa-Studie ansehen dürften die Lehrer ja offensichtlich nicht allzuviel Zeit für Vorbereitungen aufwenden. Soviel zum Thema sonstige Arbeitszeit der Lehrer.
Viennese, 26. 02. '09 16:52
Die armen Lehrer!
Ja,ja es ist schon eine Zumutung 20 Stunden in der Woche zu arbeiten!Das alles ganze 8 Monate lang, bei einer 14x Monatsgage! Der Herr Neugebauer ist doch sowas von altbacken, der hätte mit seinen Ansichten schon vor 50 Jahren in Pension gehen sollen. man sollte überhaupt alle Nationalratspräsidenten aus der Tages-und parteipolitik heraushalten! Die sollten ja schlichten und nicht Feuer machen! Ich glaube daß 2 Stunden pro Woche keinem Lehrer schaden!
sidestep, 26. 02. '09 16:45
Wollen wir wetten!
Da oben steht, dass sich Schmied nicht beeindrucken läßt von den Wortmeldungen ala Neugebauer, die da durch die Gegend "fliegen". Wollen wir wetten, dass Sie nachgeben wird? TOP DIE WETTE GILT! Der gelernte Österreicher weiß, wie die Politiker umfallen. Das können Sie am besten. Übrigens Schmied kommt aus dem Bankenbereich. Die Privilegien dort, die sie in vollen Zügen genossen hat, haben sie offensichtlich nicht gestört.
mr.sauer, 26. 02. '09 16:40
doch das liebe Geld
Jetzt haben wir es schwarz auf weiß. Die Frau Minister braucht Geld. Hat vielleicht ihre Traumschule NMS doch mehr Geld verschlungen, als sie budgetiert hat?
Alframo, 26. 02. '09 15:25
Die Lehrer
die Lehrer sind ein lustiges Völckchen ist man zu ihnen nicht artig so werden sie rasch garstig,sie werden sich bestimmt nichts antun,denn was wir haben gehört zum guten Ton.Was solls verdienen tun wir viel aber arbeiten zu wenig,die Kinder sind ja so schlimm und wir sind es auch bestimmt.Arbeiten werden wie nie mehr denn wir sind seit Jahren mehr.Das Volk ist uns egal wir finden alles gegen uns als SAUERREI.Wir sind das alte ÖSTERREICH.
sidestep, 26. 02. '09 16:02
Re: Die Lehrer
Sie dürften bei Ihren Lehrern im Gegenstand "Deutsch" nicht viel aufgepasst haben, weil Ihre Rechtschreibung unter jeder Kritik ist. "Völkchen" schreibt man nicht mit "ck"! Also holen Sie sich einen Lehrer - zur Nachhilfe!
Fragende, 26. 02. '09 14:44
Gewinner? Verlierer?
Ich verstehe den Aufschrei der Lehrer: Wurden ihnen doch schon so viele Begünstigungen weg genommen!!! Und wer, bitte, sollte sich so in Gewerkschaft, VHS uvam. engagieren? Wer sonst noch hat so viel Zeit? Junglehrer müssen gekündigt werden? Ja, war nicht von einem drohenden Lehrermangel die Rede?
mr.sauer, 26. 02. '09 15:13
Re: Gewinner? Verlierer?
Erstens: Es stimmt, dass zur Zeit Lehrermangel herrscht.Allerdings sollte man die Relationen betrachten (100 Lehrer fehlen_1000ende müssten gekündigt werden.; das wäre solidarisch, dann hätten wir auch arbeitslose Lehrer)
Zweitens eine Gegenfrage: Wieviele andere Arbeitsplätze könnten durch den Mehraufwand der Lehrer gerettet werden?
mr.sauer, 26. 02. '09 13:32
Gewinner und Verlierer
WemhHilft es? dem Budget einer ahnungslosen und praxisfremden Ministerin
wer freut sich? alle die die Lehtrer um ihren angeblichen 20 Stundenjob und Ferien beneiden
wen trifft es wirklich? Junglehrer die gekündigt werden müssen. Rechnung: 2 Std.mehr mal 60000Lehrer = 120000 Stunden = ca. 5500 Lehrer zuviel
Alframo, 26. 02. '09 13:58
Re: Gewinner und Verlierer
Für die Lehrer wäre es ein Zeichen für die vielen Arbeitslosen eine Art solidarität zu zeigen,diese Ministerin zeigt endlich auf was man bei den Lehrern machen könnte aber für diesen Stand gibt es keine Änderung sei 50 Jahren.Bei einen Monatl.Bezug Netto 1800 €von einer 50 Jährigen Volksschulen Lehrerin kann man als gut bezahlt betrachten und das bei 22 Stunden Arbeit in einer Schule.13 Wochen Ferien bei 15 Stunden Pflichtseminaren die während der Schule genommen werden können.Und diese Gewerkschaft kann solche Argument vertreten aber 2 Stunden mehr ohne Bezahlung ist für diesen Verein eine Zumutung?Dann das Argument 5000 Lehrer dadurch keine Arbeit ist doch ein reiner Blödsinn denn die Gewerkschaft konnte in der Vergangenheit schon nicht rechnen. Die Zukunft für diesen Stand muß sich änd
mr.sauer, 26. 02. '09 14:28
Re: Gewinner und Verlierer
Sie sollten sich in die Expertengruppe Schmied melden.
Wenn man behauptet, dass sich in den letzten 50 Jahren nichts geändert hat, hat man absolut keine Ahnung von der Materie
horizont1, 26. 02. '09 15:44
Re: Gewinner und Verlierer
Bitte bei den Tatsachen bleiben. Es sind keine '2 Stunden mehr ohne Bezahlung' sondern eine Umverteilung der BEZAHLTEN Tätigkeit !! Ebenso arbeiten Lehrer nicht 22 Stunden sondern eben 40 Stunden. Bleiben wir fair ! Es gibt auch sicherlich viele Lehrer welche mehr arbeiten als die 40 Stunden - das gibt es aber auch in der Privatwirtschaft (private Weiterbildung) !! Ein Vorschlag in Güte: montieren wir in den Schulen Anlagen zur Zeiterfassung - und die Lehrer bereiten sich im Schulgebäude vor (sind also 40 Stunden im Schulgebäude). Dies würde der ganzen Diskussion ein Ende setzen. Hier dürfte es eher um die 'Freizeit' der Lehrer gehen.
Ulf01, 26. 02. '09 11:37
2 Stunden mehr - unvorstellbar?
Derzeit haben Lehrer weniger als 700 Stunden, "normale" Arbeitnehmer ca. 1800 Stunden. Mit 2 Stunden mehr hätten sie immer noch weniger als die halbe Arbeitsleistung der übrigen Österreicher. Haben denn diese Leute jeden Zugang zur Realität verloren?
molstef, 26. 02. '09 12:02
Re: 2 Stunden mehr - unvorstellbar?
Haben sie jeden Sinn für Realität verloren? 700 Unterrichtsstunden entsprechen doch nicht der Arbeitszeit oder glauben sie glauben Sie Vorberietungen, Nachbereitungen, Konferenzen, Srpechtage, Fortbildungen... sind in diesen Zeiten inkludiert. Auch im Fernsehen hat ein Nachrichtenmoderator nicht die Arbeitszeit von 2 Studen in der Woche weil er nicht öfter am Bildschirm zu sehen ist!
Im übrigen empfehle ich allen, die über die realitätsfernen Lehrer herziehen (andere bezeichnen sie als faulste Hunde der Nation) einmal eine Woche diesen Beruf auszuüben. Aber diejenigen die am meisten lästern (dafür ist ja der Österreicher bekannt) sind auch diejenigen die als Erste, bei dem Hinweis warum sie selbst nicht diesen "Traumjob" ausüben sagen "Na - ich könnte das nie"... Soweit zur Realität!
Eniya, 26. 02. '09 11:36
Immer das gleiche
Ministerin Schmied ist wirklich recht zu geben. Warum sollten die Lehrer nicht in Zeiten wie diesen ihren Beitrag leisten?
sidestep, 26. 02. '09 14:46
Re: Immer das gleiche
Können Sie mir sagen, was Sie mit "in Zeiten wie diesen" meinen? Falls Sie die Wirtschaftskrise meinen eine Frage: Bekommt eine Arbeitsloser seinen verlorenen Arbeitsplatz zurück oder verdient ein Armer auch nur um einen Cent mehr, wenn die Lehrer 2 Stunden mehr arbeiten? Übrigens ich bin keine Lehrer und kein Gewerkschafter. Ich setze im Gegensatz zu anderen nur mein Hirn ein!