Mittwoch, 18. Februar 2009

NEWS-Redakteur Heinz Sichrovsky über ein Kulturkrawällchen

In Wien geht am Montag eine „Heldenplatz“-Affäre für Sozialhilfeempfänger ins Finale. Weder der Gegenstand der Erregung – die Mediensatire „Pension F.“ des Aktionisten Hubert Kramar – noch deren mediale und politische Exekutoren können sich im Entferntesten mit den Protagonisten von damals vergleichen. Doch nimmt man immerhin zur Kenntnis: Kulturkrawalle funktionieren in bescheidenstem Ausmaß auch noch zu Zeiten, da Kammerschauspieler dankbar akklamiert auf Staatsbühnen urinieren und öffentlich autoerotisch Hand an sich legen. Man muss nur ganz unten ansetzen: Nicht einmal auf dem zu „Heldenplatz“-Zeiten gepflogenen Sonderschulniveau darf man sich mit ästhetischen oder auch nur inhaltlichen Debatten aufhalten. Besser erklärt man ein Stück, das keiner kennt, unargumentiert zum Skandal und erbricht dazu marginale Subventionszahlen, die gleichwohl dem Jahresbezug einer Alleinerzieherin entsprechen. Mit anderen Worten: Man nimmt an der Realität der Blogger Maß. Selbst in renommierten Internetforen sind die Mindeststandards des zivilisatorisch geregelten Umgangs schon außer Kraft. Neid- und Wutbekundungen der Unerlösten, die früher aus medienrechtlichen Gründen den Weg auf die Leserbriefseite nicht gefunden hätten, erreichen heute oft ein größeres Publikum als das Print-Produkt. Wenn das die Zukunft ist, will ich kein Teil von ihr sein.

18.2.2009 16:22