Mittwoch, 18. Februar 2009

Pohl-Position von Walter Pohl

Wien-Wahl. Alles über eine Prognose, die hoffentlich nicht zutreffen wird.

Unlängst im kleinen, höchst privaten Kreis eines mit hochrangigen Politikern besetzten Abendessens in einer Wiener Dachterrassenwohnung. Nach einem üppigen Mahl mäandert das Tischgespräch hin und her zwischen Weltwirtschaftskrise und Österreichs Abschneiden bei der Ski-WM in Val d’Isère. Zu fortgeschrittener Stunde werden Schnäpse angeboten, und in weiterer Folge geht es bei den Themen ums Eingemachte. Ein höchstrangiger Funktionär der SPÖ lenkt die Debatte auf die im Jahr 2010 bevorstehenden Wiener Wahlen (nein, es ist nicht Michael Häupl; Anm WP).

Sinngemäß sagt er Folgendes: „Unseren Leuten in der Wiener Partei geht jetzt schon der Arsch auf Grundeis, wenn sie an den Wahlkampf denken. Der Strache braucht die Stimmen nur einzusammeln, so wie politisches Fallobst, wir aber müssen um jeden Wähler kämpfen. Das wird die Mutter aller Wahlschlachten.“

Zustimmendes Nicken in der Tafelrunde.

Die einzige Dame am Tisch, eine höchstrangige Funktionärin einer kleineren Partei (nein, es ist nicht Eva Glawischnig; Anm. WP), zeigt sich kämpferisch und meint: „Geh bittschön, schlagts doch den H.-C. mit seinen eigenen Waffen. Der schießt doch eh nur mit Kanonen auf Spatzen.“

Darauf der hohe SP-Mann: „Welche Waffen? Faymann vielleicht, der samt Pröll rund um die Uhr mit der Rettung der Wirtschaft beschäftigt ist? Oder all die anderen Minister, die mit Zähnen und Klauen um ihre Ressortbudgets kämpfen? Oder mit euch Gutmenschen (er wendet sich dem Gastgeber zu; Anm. WP), für die der Fall Arigona der politische Lebensmittelpunkt ist?

Betretenes Schweigen in der Runde. Zwar werden noch ein paar matte Gegenargumente in die Debatte eingeworfen, die der hohe SP-Funktionär, intellektuell topfit, allesamt zerpflückt. Am Ende des langen Abends sagte jemand kleinlaut: „Das heißt, Strache wird Bürgermeister? Wenn sich’s mit der ÖVP ausgeht?“

„Nein“, sagt der Hiobsbotschafter aus der SPÖ, „aber er könnte fast so stark werden wie wir: 34 zu 42 Prozent oder so. Und dann müssen wir wieder irgendeine mühselige Koalition eingehen.“

Ich habe mir diese Prognose auf eine Serviette gekritzelt. Zur Sicherheit. Und hoffe, dass sie nicht bestätigt wird. Anderenfalls sage ich Ihnen, wer der Prophet des Unheils an diesem Abend gewesen ist …

18.2.2009 15:55