Mittwoch, 18. Februar 2009

Die katholische Kirche Österreichs: Abspecken auf hohem Niveau

  • FORMAT-Chefredakteur Peter Pelinka

Die Zahl der österreichischen Katholiken nimmt beständig ab: um eine Million von 6,55 Millionen (1971) auf 5,58 heute. Noch deutlicher der prozentuelle Rückgang: Gehörten vor 25 Jahren noch 87 Prozent der Österreicher der größten Religionsgemeinschaft an, sind es heute „nur“ mehr 67. Noch stärker sank die Zahl der „praktizierenden“
Katholiken: Deutlich weniger als eine Million Menschen besuchen jeden Sonntag – wie „vorgeschrieben“ – die Messe, in den Sechzigerjahren waren es noch doppelt so viel. Das hängt mit der verstärkten Säkularisierung (Religion wird insgesamt weniger wichtig) zusammen, mit der erhöhten ethnischen und damit religiösen „Durchmischung“ der Bevölkerung, natürlich auch mit innerkatholischen Entwicklungen: Die Affären um Groër und Krenn, jüngst auch jene um den Doch-nicht- Weihbischof Gerhard Maria Wagner („Ein Mann, der Maria heißt, muss doch gut sein“, schrieb mir eine seiner Adorantinnen), führten jeweils zu massierten Austritten.

Das mindert die große Bedeutung der katholischen Kirche nur wenig. Ablesbar ist sie etwa an der konstant großen Zahl von Feierritualen wie kirchlich begleiteten Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen. Noch mehr an der überragenden Bedeutung kirchlicher Neben(fast schon Haupt-)organisationen wie der Caritas für das gesamte heimische Sozialgefüge. Und an den hohen Wellen, welche innerkatholische Scharmützel jedes Mal erzeugen. Auch diesmal: Die Aufregung über die formell wahrlich nicht entscheidende Position eines Weihbischofs von Linz garantierte auch den berichtenden Medien hohe Auflagen und Seherzahlen. Wohl auch, weil gegen die Bestellung Wagners nicht nur viele „normale“ Gläubige aufstanden, sondern auch eine große Mehrheit des priesterlichen „Führungspersonals“: 31 von 39 Dechanten der Diözese Linz beschlossen eine scharfe Protesterklärung, 4 waren dagegen, 4 nicht anwesend. Noch bemerkenswerter die Differenzierung unter den Bischöfen: Der ultrakonservative Salzburger Weihbischof Laun – no na – stellte sich hinter Wagner, der Vorarlberger Bischof Elmar Fischer „glänzte“ mit der Zustimmung zu Wagners „Befund“, Homosexuelle seien krank und damit heilbar (ausgerechnet der ausgebildete Psychotherapeut musste einen Tag danach zugeben, die moderne Literatur zu dem Thema nicht gekannt zu haben), der Linzer Bischof Schwarz hatte die Kür Wagners zumindest anfänglich mitgetragen. Aber dessen Kritiker waren gewichtiger: Salzburgs Kothgasser, Burgenlands Iby, selbst der sonst so ruhige Steirer Kapellari sorgten sich um die Einheit ihrer Herde.

Schließlich rückte der oberste Hirte aus. Wiens Kardinal Christoph Schönborn brachte Wagner mittels seiner guten Kontakte zum Vatikan zur Räson und zum Verzicht. Er ist theologisch ein Konservativer (etwa als Kritiker der Darwin’schen Evolutionstheorie), aber der klügste Machtpolitiker der Kirche. Und als solcher der Garant dafür, dass die derzeitige Austrittswelle nun rasch gebremst wird. Was Wagner und den Seinen gar nicht recht sein wird: Sie bevorzugen eine kleine, aber „reine“ Kirche – ganz im Sinne einer Sekte. Und ganz im Gegensatz zu einer Volkskirche.

18.2.2009 15:50