SPÖ Kärnten: selbst gemachtes Debakel
- Kurt Kuch über die Kärntner Roten

Rechtsaußen haben in Kärnten ein echtes Heimspiel. Denn SPÖ und ÖVP begünstigen sie nach Kräften.
Am 1. März finden in Kärnten Landtagswahlen statt. Für viele Menschen, die nördlich der Pack beheimatet sind, könnte dann etwas ziemlich Unvorstellbares eintreten. Zum Beispiel, dass BZÖ und FPÖ gemeinsam die Hälfte der Mandate erreichen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.
Die Frage nach den Hintergründen für den (leider wahrscheinlichen) Wahlerfolg der extremen Rechten droht danach einmal mehr oberflächlich und damit teilweise falsch beantwortet zu werden. Die Leier ist ja schon bekannt: Es kommt der erste Vorwurf in Richtung Kärnten, und postwendend fühlt sich irgendein Rechtsaußen-Politiker berufen, die Heimat lautstark gegen Nazi-Vorwürfe zu verteidigen.
Aber was ist mit SPÖ und ÖVP? Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, dass SPÖ und ÖVP den Rechtsparteien in Kärnten alle Türen öffnen. Die ÖVP spielt keine Rolle mehr und darf sich glücklich schätzen, dass die Zehn-Prozent-Hürde abgeschafft wurde.
Und die SPÖ? Läuft ins selbst gemachte Debakel. Symptomatisch ist der Umgang der Kärntner Genossen mit der Pleite des SP-nahen ARBÖ Kärnten. Durch jahrelange Misswirtschaft und undurchsichtige Finanztransaktionen torkelte dieser in die Pleite. Am Ende bekamen die mehr als 50 Mitarbeiter nicht einmal ihr Gehalt ausbezahlt. Kurz darauf trafen sich die Funktionäre. Doch ihre Sorge galt in erster Linie möglichen Haftungen, die sie hätten treffen können.
Die einfachen Mitarbeiter waren schlicht zweitrangig. Und was passierte mit jenem Mann, der während des wirtschaftlichen Abstiegs des Kärntner ARBÖ dessen Landesgeschäftsführer war? Ganz klar: Mit ihm ist die Partei solidarisch. Er ist heute Landesgeschäftsführer der SPÖ Kärnten. Ist das glaubwürdig?
Kurzum: Natürlich gibts Nazis in Kärnten. Wahrscheinlich sogar mehr als anderswo. Nicht wenige von ihnen haben in der Zeit vor Haider sogar SPÖ gewählt. Aber zum Sieg der Rechten tragen sie weniger bei als die offen ausgelebte Unglaubwürdigkeit der Genossen.
