Samstag, 21. Februar 2009

"Sind wegen Osteuropa nicht beunruhigt":
Deutsche Bank & Unicredit bleiben gelassen

  • DB-Chef Ackermann sieht "sehr wenig" Gefahren
  • Prognosen auch von Raiffeisen und Erste relativiert

Die Deutsche Bank und die italienische Unicredit sehen sich von der Verschärfung der Wirtschaftskrise in Osteuropa bisher nicht sonderlich betroffen. Die Deutsche Bank ist in der Region nach den Worten ihres Chefs Josef Ackermann kaum involviert. Das Institut sei nur "sehr wenig" der dortigen Situation ausgesetzt, sagte Ackermann an der Columbia University in New York.

Die italienische Großbank UniCredit hält die Sorgen um Belastungen durch die Krise für übertrieben. "Wir sind wegen Osteuropa nicht beunruhigt", sagte Firmenchef Alessandro Profumo am Samstag am Rande einer Konferenz in Mailand. "Wir sind uns der Lage der Region bewusst, aber wir glauben, zurzeit wird etwas über das Ziel hinausgeschossen."

Die Finanzkrise hat vor allem osteuropäische EU-Länder hart getroffen, die nicht der Euro-Zone angehören. Sie können sich am Kapitalmarkt kaum noch Geld leihen. Die Ratingagentur Moody's warnte zuletzt, dass deshalb die Banken in den Schwellenländern und ihre westeuropäischen Mütter unter Druck geraten könnten. Daraufhin stürzten Finanztitel europaweit ab.

UniCredit-Aktien im Rekordtief
Die Aktien der UniCredit fielen jüngst wegen der Sorgen um das Osteuropa-Geschäft sogar auf den tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Das Institut ist größter Kreditgeber in Zentral- und Osteuropa, wo es rund ein Viertel seines Umsatzes erwirtschaftet. Profumo bezeichnete den Absturz der UniCredit-Aktien als übertrieben. Er sei sich sicher, dass sein Institut den angepeilten Netto-Gewinn von vier Milliarden Euro 2008 in etwa erreicht habe, sagte er.

Auch die in Osteuropa besonders stark engagierten heimischen Banken relativierten in den vergangenen Tagen die düsteren Szenarien für die Region. So schloss die Raiffeisen International Bank Holding beispielsweise 2009 einen Verlust aus und kündigte an, ihre Tochterbanken im Osten auch weiter mit Liquidität zu versorgen. Gerechnet werden müsse aber mit einem Anstieg der faulen Kredite, hatte RI-Chef Herbert Stepic gesagt.

Risiko "durchaus überschaubar"
Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad sagte zur Internetplattform "derstandard.at", er halte das Risiko in den Oststaaten "für durchaus überschaubar". Ob Raiffeisen es in Osteuropa übertrieben habe, beantwortete Konrad mit: "Wir haben uns nicht übernommen." Man sei jedoch "viel, viel vorsichtiger" geworden: "Wir haben die Kreditvolumen in jenen Ländern, in denen es möglicherweise schwierig wird, zurückgefahren." Insgesamt vertraut Konrad auf die europäische Solidargemeinschaft, "die sie aus ureigenen Interesse nicht fallen lassen kann."

Auch die Erste Bank ist in Osteuropa stark vertreten. Insgesamt haben die österreichischen Banken rund 200 Milliarden Euro Kredite in der Region vergeben, darunter auch an Russland.
(apa/red)

21.2.2009 17:31