Donnerstag, 19. Februar 2009

Dividendenauszahlung statt Arbeitsplätze:
ATX-Ausschüttungen steigen trotz Krise

  • Trotz Sanierungsmaßnahmen Aktionäre befriedigen
  • Post und Telekom sind im Kreuzfeuer der Kritiker

Viele müssen aufgrund der Wirtschaftskrise um ihren Arbeitsplatz bangen, manche haben ihn schon verloren. In einigen Unternehmen wird mit Kurzarbeit versucht das Schlimmste zu verhindern. Im Management hat sich ein Credo durchgesetzt: Der Rotstift muss überall angesetzt werden, um Kosten zu senken. Umso überraschender ist das Ergebnis einer brisanten Studie. Die Ausschüttung der ATX-Unternehmen ist im Krisenjahr um fast 24 Prozent gestiegen.

Besonders eklatant ist das Beispiel der Post. Erst kürzlich ließ Generaldirektor Wais eine Bombe in Form eine Sanierungskonzeptes platzen: Schließung von Filialen, Personalabbau und Auslagerung der Beamten. Nun wurden aber Zahlen veröffentlicht, die ein etwas anderes Bild vom Unternehmen zeichnen. Denn 2008 wurden für den Jahresabschluss 2007 eins Aussschüttungsquote von 137 Prozent des Konzernüberschusses erreicht. Diese Summe konnte nur durch Auflösung von Kapitalrücklagen erreicht werden.

Kritik an Unternehmen
Die Arbeiterkammer kritisiert scharf das Vorgehen der Unternehmen. "Im gleichen Atemzug kündigt die Post an, mehrere hundert Filialen zu schließen und Personal einzusparen. Auf der einen Seite beim Personal und bei den Leistungen für die Konsumenten sparen zu wollen und auf der anderen Seite die Eigenkapitalreserven anzuknabbern ist untragbar", meint Herbert Tumpel.

Die Post ist jedoch kein Einzelfall. Auch die Telekom erreicht eine Ausschüttungsquote über 67 Prozent. Damit liegt sie deutlich über dem Durchschnitt der ATX-Unternehmen. Diese Politik soll - ungeachtet der Krise - fortgesetzt werden. Für den Zeitraum von 2009 bis 2012 hat das Unternehmen eine Ausschüttung von 1,35 Milliarden angekündigt.

Ähnliches in Deutschland
Dies ist jedoch kein österreichisches Phänomen. Die Zahlen aus Deutschland beweisen: auch dort steht die Dividende höher als nachhaltige Investitionen in den Betrieb. Obwohl der Börsenwert der 30 größten Konzerne im DAX auf nur mehr 500 Milliarden zusammensackte wird mit einer Ausschüttung von 23,5 Milliarden ein Rekordanteil erreicht. Elf der 30 DAX-Unternehmen haben die Ausschüttung erhöht.

Auch bei unserem Nachbarn hat die Auszahlung eine Diskussion ausgelöst. "Gewinne sollen statt in Dividenden für den Erhalt von Arbeitsplätzen investiert werden", forderte etwa der deutsche Finanzminister Steinbrück in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". "Unternehmen haben in dieser Krise eine besondere Verantwortung gegenüber ihren Beschäftigten", sagte der stellvertretende SPD-Chef. Sollten Gewinne gemacht werden, sei es ratsam, diese nicht als Dividenden ausschütten, sondern zu nutzen, um die jeweiligen Unternehmen zu stabilisieren.
(red)

19.2.2009 13:45