Dienstag, 17. Februar 2009

Daimler und BMW begraben Feindschaft:
Kooperation soll aus Wirtschaftskrise führen

  • Langwierige Gespräche mit vielen Hindernissen
  • Manger bangen um Verlust der Marken-Trennschärfe

Die Krise lässt enger zusammenrücken. Wie nun bekannt wurde arbeiten die deutschen Erzrivalen der Autobranche, BMW und Daimler, an einer Kooperation. Doch die Kooperation hat ihre Tücken: Neben den Eitelkeiten der Techniker müssen auch noch Empfindlichkeiten des Marktes berücksichtigt werden. Denn was die Manager beider Konzerne verhindern möchten ist, dass die Trennschärfe der Marken darunter leidet.

Die deutschen Autohersteller Daimler und BMW verstärken laut einem Zeitungsbericht der FAZ ihre Bemühungen um eine engere Kooperation. Die ersten Verträge zwischen den beiden Erzrivalen seien bereits unterschriftsreif. Jede Art der Kooperation, die der Kunde nicht bemerke und die somit der Akzeptanz der Marke nicht schade, sei denkbar, zitiert das Blatt ranghohe Manager.

Unwegsamkeiten
Bisher seien die Verhandlungen, die sich seit Monaten hinziehen, von den Eitelkeiten der Techniker auf beiden Seiten gebremst worden. Diesen Widerstand wollten die Vorstände unter dem Eindruck der Krise brechen. So sei bei BMW eine klare Direktive von oben ergangen, die "technikverliebten Nörgler" in die Schranken zu weisen. "Mit jedem Tag, den die Krise länger dauert, verliert die Zylinder-Fraktion an Rückhalt", wird ein Manager zitiert. Daimler und BMW leiden massiv unter der Finanzkrise. Die Nachfrage ist eingebrochen, beide Unternehmen mussten ihre Gewinnprognosen nach unten korrigieren.

Diese Direktive dürfte gefruchtet haben, denn ein BMW-Sprecher erklärte nun, dass das Unternehmen derzeit mit mehreren Mitbewerbern an Kooperationen arbeite. Man spreche über "abgegrenzte Inhalte". Mit Daimler gebe es Gespräche über den gemeinsamen Einkauf von Teilen, die nicht markenrelevant seien. Diese Abgrenzung scheint den Managern wichtig, denn man will die eigene Marke am Markt gut positionieren.

Nur ausgewählte Kooperation
Zu den "nicht markenrelevanten Produkten" zählen etwa Gurtstraffer, Klimaaggregate oder elektronische Teile. Daneben habe BMW mit Daimler einen Hybridmotor entwickelt, der in der neuen BMW 7er-Reihe eingebaut werden soll. Ein Daimler-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Morgen veröffentlicht der Stuttgarter Konzern seine Zahlen für das abgelaufene Jahr. Bei der Bilanzpressekonferenz wird Vorstandschef Dieter Zetsche sicherlich Stellung zum Stand der Gespräche nehmen müssen.

Der Autoanalyst Wolfgang Albrecht von der LBBW sagte, die Gespräche über mögliche Kooperationen zwischen Daimler und BMW liefen schon länger. Eine mögliche verstärkte Zusammenarbeit mache Sinn. "Die Unternehmen haben die gleiche Kundenstruktur und ähnliche Motoren." Daimler und BMW setzen beide auf Oberklasse-Fahrzeuge.
(apa/red)

17.2.2009 07:24