Politbüro statt Autozar: Obamas Schwenk soll Branche jetzt aus der Krise führen
- Arbeitsgruppe von Geithner und Summers geführt
- Autoriesen werden jetzt konkrete Pläne vorlegen

Politbüro statt Autozar, so könnte man den jüngsten Schwenk des neuen US-Präsidenten Obama zusammenfassen. Denn anstatt wie angekündigt einen einzelnen Sonderbeauftragten zu ernennen soll nun eine Arbeitsgruppe diese Agenda übernehmen. Nun sollen die Autoriesen konkrete Plöne für ihre Umstrukturierung vorlegen
Als die drei Riesen der US-Autobranche kleinlaut vor dem Kongress um Geld bitten mussten, wurde ihnen eine Verpflichtung auferlegt. Tiefgreifende Reformen sollten den kriseldenden Industriezweig wieder vorwärts treiben. Weitere Überbrückungskredite werden nur freigegeben, wenn Motors, Chrysler und Ford tiefgreifende Umstrukturierungen vornehmen würden. Für die Überwachung des bisherigen Paketes von 17,4 Milliarden Dollar (13,6 Milliarden Euro) sollte ein Sonderbeauftragter ernannt werden.
Schwenk Obamas
Doch Obama hat sich nun anders entschieden. Anstatt einen in der Öffentlichkeit etwas hähmisch betitelten Autozaren zu ernennen soll nun ein eigens geschaffenes Gremium diese Aufgabe übernehmen. Wie nun bekannt wurde will Obama zur Neuordnung der maroden Autokonzerne eine spezielle Arbeitsgruppe einrichten. Sie soll von Finanzminister Timothy Geithner und dem Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, Lawrence Summers, geleitet werden. Die Arbeitsgruppe soll mit General Motors und Chrysler zusammenarbeiten und Wege vorbereiten, wie die Unternehmen umstrukturiert werden sollen. Ziel ist außerdem die Rückzahlung von staatlichen Beistandskrediten.
Erst kürzlich hatte auch der US-Kongress den Druck auf die Branche erhöht. Im Kampf um ihr Überleben müssen die beiden Konzerne nach den Worten der demokratischen Präsidentin des US-Repräsentantenhauses zu tiefen Einschnitten bereit sein. Es werde der "Wille zu harten Entscheidungen" erwartet, schrieb Nancy Pelosi gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Finanzausschusses, Barney Frank, in einem Brief an die Unternehmen.
Konkrete Pläne
Dieser Vorstoß erfolgt nicht zufällig, denn morgen müssen die Konzerne konkrete Pläne für ihre Umstrukturierung vorlegen. Pelosi und Frank reicht das jedoch nicht. Beide Politiker forderten die Hersteller auf, ihren Unterlagen eine verbriefte Beurteilung ihrer langfristigen Rentabilität beizufügen. Darin enthalten sein müssten unter anderem auch eine Angabe über den angestrebten Marktanteil und eine Absichtserklärung zur Entwicklung spritsparender Modelle.
Firmenkreisen zufolge ist Chrysler bei seinem Restrukturierungsplan auf einem guten Weg. Bei Gesprächen mit Gläubigern gebe es Fortschritte, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Chrysler werde demnächst ein Szenario als eigenständiges Unternehmen und ein weiteres als Teil einer strategischen Partnerschaft vorstellen. Der Konzern sprach bereits mit Fiat über eine Allianz.
(apa/red)

