Donnerstag, 19. Februar 2009

Katerina Smutna hält unsere Fahne hoch:
Nur eine einzige ÖSV-Langläuferin bei WM

  • Eingebürgerte Tschechin für einen Top-10-Platz gut
  • Dopingskandal sorgte für Kahlschlag im Herren-Team

Sperren als Folge des Dopingskandals von Turin und Rücktritte haben die Langlauf-Sparte des ÖSV weit zurückgeworfen. Zehn Jahre nach dem Gewinn von vier Medaillen bei der Heim-WM in Ramsau kann man die österreichischen Teilnehmer an Weltcup-Bewerben an einer Hand abzählen. "Uns fehlt die Generation von 25 bis 33 Jahren, die jetzt im Hochleistungsalter wäre", erklärte Cheftrainer Bernd Raupach. Katerina Smutna, die heute bei der WM in Liberec über 10 Kilometer klassisch antritt, ist gemeinsam mit Olympiasieger Christian Hoffmann das Aushängeschild.

Smutna , die seit März 2006 einen österreichischen Pass besitzt, bestreitet ihre zweite WM für den ÖSV. Die gebürtige Tschechin hat eine gute Entwicklung genommen und in Weltcup-Distanzrennen (10 km bzw. Doppelverfolgung) zwei Top-Ten-Platzierungen erreicht. Noch stärker ist sie im Sprint in der klassischen Technik, der aber in Liberec nicht auf dem Programm steht.

Für ihre "Heim-WM" - sie ist nur 15 km von Liberec enfernt in Jablonec geboren - gibt sich die 25-Jährige zurückhaltend. "Diese WM ist schon ein bisschen etwas Besonderes, ich bin gut in Form, die Top 20 zu erreichen wäre gut", erklärte die Klassik-Spezialistin Smutna vor ihrem wichtigsten Einsatz in Liberec.

"Sie ist sehr wichtig für uns"
Das ÖSV-Langlauf-Team befinde sich in einer Aufbau-Phase, sagte Raupach. Zum Glück habe Smutna mit guten Leistungen aufgezeigt. "Sie ist sehr wichtig für uns." Die Wahl-Tirolerin, die im Leistungszentrum Hochfilzen trainiert, sieht sich bei weitem nicht am Höhepunkt. "Ja sicher, ich kann noch besser werden", betonte sie im Team-Hotel Brizky in Jablonec. Sie hat Freundinnen im tschechischen Team und bedauert nur in einer Hinsicht, dass sie nach Österreich gewechselt ist. "Wegen der Staffel ist es schon schade, denn die laufe ich sehr gerne", erklärte das "Ein-Frau-Team" des ÖSV.

Den Damen fehlt es an Nachwuchs - die Kärntnerin Kerstin Muschet braucht noch Zeit - und auch bei den Herren klafft hinter Hoffmann, der zumindest noch bis zu den Winterspielen in Vancouver weitermachen wird, eine große Lücke. "Das finnische Team hat sechs Jahre gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen", sagte Raupach mit Hinweis zum finnischen Dopingskandal bei der WM 2001. "Ich bezweifle, dass es bei uns schneller gehen wird." Nach den Vorfällen in Turin waren vier Läufer (Martin Tauber, Johannes Eder, Roland Diethart, Jürgen Pinter) und zwei Coaches (Walter Mayer, Emil Hoch) gesperrt worden, Michail Botwinow hatte seine Karriere eine Saison später beendet.

Zu wenige Läufer für Staffel<
So blieben dem ÖSV auf Weltcup-Niveau nur die zwei Sprinter Harald Wurm und Martin Stockinger, im Distanzbereich ist neben Hoffmann nur Manuel Hirner bei der WM vertreten. Der 24-jährige Salzburger, der am Freitag über 15 km klassisch antritt, soll vor allem Erfahrung sammeln. Für die Nominierung einer Staffel fehlen somit zwei Läufer. "Das tut uns sehr weh", gab Raupach zu. "Es gibt Leute mit guten Ansätzen, aber die brauchen einfach noch mehr Zeit."

Im Nachwuchs finden sich allerdings bekannte Namen: Luis (17) und Teresa Stadlober (16), die Kinder des Ex-Staffel-Weltmeisters Alois Stadlober sowie Nathalie Schwarz, die Tochter des vor zehn Jahren tödlich verunglückten Olympia-Teilnehmers Alois Schwarz.

(apa/red)

19.2.2009 07:25