Samstag, 21. Februar 2009

Bischof Williamson verlässt Argentinien:
Holocaust-Leuger wird freiwillig ausreisen

  • Nächstes Ziel des 68-Jährigen ist noch nicht bekannt
  • Französische Justiz bereitet bereits eine Anklage vor

Der als Holocaust-Leugner hervorgetretene traditionalistische Bischof Richard Williamson von der umstrittenen Priesterbruderschaft St. Pius X. wird der Ausreiseanordnung der argentinischen Regierung innerhalb der gesetzten Frist nachkommen. In welches Land der 68-jährige Brite ausreise, werde von den Autoritäten der Bruderschaft in Europa entschieden.

Die Pius-Bruderschaft habe zufolge der Zeitung "La Nacion" schon zuvor beschlossen, dass Williamson nach der Niederlegung der Leitung eines Priesterseminars westlich von Buenos Aires das südamerikanische Land verlassen sollte, sagte Bouchacourt. "Der Bischof leitete nicht mehr das Seminar, und er war bereits darauf eingestellt, das Land zu verlassen", zitierte "La Nación" den Geistlichen. Der Aufenthaltsort von Williamson ist weiterhin unbekannt. Die Ausländerbehörde in der Hauptstadt Buenos Aires hatte dem Briten und früheren Anglikaner am Vortag eine Frist von zehn Arbeitstagen gesetzt, das Land freiwillig zu verlassen. Danach werde er zwangsweise abgeschoben.

Französische Justiz arbeitet an Klage
Williamson droht nun auch die Verfolgung durch die französische Justiz. Die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA) will in den nächsten Tagen in Frankreich Anzeige gegen den 68-jährigen Briten erstatten.

Die Zuständigkeit der dortigen Behörden sei gegeben, sagte LICRA-Anwalt Alain Jakubowicz der regierungsnahen Tageszeitung "Le Figaro". In Frankreich steht die Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit 1990 als spezifischer Tatbestand unter Strafe. Richter können Holocaust-Leugner bis zu einem Jahr ins Gefängnis schicken oder ihnen hohe Bußgelder auferlegen

Die Annullierung der Exkommunikation von Williamson und drei weiteren 1988 von dem Konzilsgegner Erzbischof Marcel Lefebvre unerlaubt geweihten traditionalistischen Bischöfen - Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais und Alfonso de Galaretta - durch Papst Benedikt XVI. im Jänner hatte vielfach Kritik hervorgerufen. Williamson hatte in einem fast zeitgleich ausgestrahlten TV-Interview behauptet, unter der Naziherrschaft seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 in Konzentrationslagern ums Leben gekommen und keiner von ihnen in Gaskammern.
(apa/red)

21.2.2009 16:10