Donnerstag, 19. Februar 2009

Palmen, Sonnenschein und Autowracks:
"Herzlich Willkommen im Urlaubsparadies"

  • Gewalt auf der Karibikinsel Guadeloupe: Ein Toter
  • Unruhen durch unfaire Reichtumsverteilung: BILDER
    Was sagen Sie zu den jüngsten Ausschreitungen?

Palmen, Sonnenschein und Autowracks: Herzlich Willkommen im Urlaubsparadies Guadeloupe! Die französische Karibikinsel wird seit der Nacht auf Mittwoch von Gewaltausbrüchen erschüttert. Sicherheitskräfte unter Beschuss, Geschäfte geplündert, Autos in Brand gesetzt, zahlreiche Verletzte und Inhaftierte, und als Höhepunkt ein erschossener Mann. Und warum? Hohe Lebenserhaltungskosten einerseits und die ungleiche Verteilung des Reichtums andererseits. Im Visier des Protests: Das französische Festland.

Die französischen Überseegebiete sind wirtschaftlich vollkommen abhängig vom "Mutterland", einzige heimische Einnnahmequelle ist der Tourismus. Dass nun rund 15.000 Menschen ihre Reise in das Antillen-Paradies stornieren und Air France mehrere Flüge streicht, verschärft die Situation zusätzlich.

Kaum noch leistbare Lebenserhaltungskosten lassen die Bevölkerung auf die Barrikaden gehen. Weiterer Brennpunkt: die ungleiche Verteilung des Reichtums zwischen der vorwiegend weißen Oberschicht und der großteils dunkelhäutigen Bevölkerung.

Gewerkschaftsmitglied erschossen
Vor vier Wochen bereits wurde ein Generalstreik initiiert, der nun zu einem tödlichen Gewaltausbruch führte. Ein etwa 50-jähriges Gewerkschaftsmitglied wurde von einer Jugendbande erschossen, mehrere Polizisten durch Schüsse verletzt, Barrikaden, Geschäfte und Autos in Brand gesetzt. Erinnerungen an die Pariser Unruhen aus dem Vorjahr werden wach.

Verhandlungen vor dem Durchbruch?
Die heimische Protestbewegung, Arbeitgeber sowie die Pariser Regierung stehen derzeit in Verhandlungen, um der Gewaltspirale ein Ende zu bereiten. Laut Premierminister Francois Fillon zeichnet sich nun ein Durchbruch ab, kündigte dieser doch an, "die Löhne der Geringverdiener wie gefordert um rund 200 Euro zu erhöhen".

Man wird sehen, ob diese Maßnahme allein schon für eine Besänftigung der Protestbewegung reicht. Und ob Touristen bei Guadeloupe wieder ausschließlich an Palmen und Sonnenschein denken können.

(Kim Son Hoang)

19.2.2009 15:54