Donnerstag, 19. Februar 2009

Prozess gegen Schuhwerfer wurde vertagt:
Bush-"Attentäter" am 12. März vor Gericht

  • Al-Saidi hat jetzt politisches Asyl in Schweiz beantragt
  • Angeklagten Journalisten drohen bis zu 15 Jahre Haft

Der Prozess gegen den irakischen Schuhwerfer Montasser al-Saidi ist kurz nach der Eröffnung vertagt worden. Der Angeklagte muss erst am 12. März wieder vor Gericht erscheinen. Grund für den Aufschub seien verfahrenstechnische Fragen, sagte der Präsident des Strafgerichts, Abdul-Amir al-Rubaie. In Absprache mit dem Büro des Regierungschefs müsse geklärt werden, ob der Besuch von Ex-US-Präsident Bush im Dezember ein offizieller Besuch war oder nicht. Jetzt hat der Journalist al-Saidi Exil in der Schweiz beantragt.

Der Angeklagte Saidi hatte bei dem Abschiedsbesuch von Bush in Bagdad am 14. Dezember seine Schuhe in Richtung des scheidenden US-Präsidenten geworfen und dabei gerufen: "Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!" Dem 30-Jährigen wird "Aggression gegen den Präsidenten eines ausländischen Staates" vorgeworfen. Er muss mit bis zu 15 Jahren Haft rechnen. Bush konnte sich ducken und wurde nicht getroffen. Mitschnitte der Szene sorgten für Furore, Saidi wurde vor allem in der arabischen Welt bejubelt.

Schuhwerfer ersucht um politisches Asyl
Al-Saidi suchte unterdessen in der Schweiz um politisches Asyl an. Sein Genfer Anwalt Mauro habe im Namen von al-Saidi einen Asylantrag beim Bundesamt für Migration eingereicht. Der Anwalt habe zudem erklärt, dass das Leben seines Mandanten im eigenen Land in Gefahr sei und dass diesem "Vergeltungsmaßnahmen" drohten. In der Schweiz könne Al-Saidi beispielsweise für die Vereinten Nationen arbeiten, so Poggia.

Bereits im Jänner hatte Al-Saidi Berichten zufolge geplant Asyl in der Schweiz beantragen zu wollen. Die Familie des Schuhwerfer von Bagdad hatte dies damals als "Lüge" zurückgewiesen.

Schuhwerfer als Held gefeiert
In weiten Teilen der muslimischen Welt wurde Zaidi für seine Tat wie ein Held gefeiert, der Schuhwurf wurde als Ausdruck des Protests gegen die US-Invasion gewertet. Tausende Menschen demonstrierten für seine Freilassung. Zaidis Bruder Dhargham beklagte, dass Angehörige und Anwälte der Zugang zu dem Angeklagten verweigert worden sei. "Dieses Gericht arbeitet auf Anweisung des Kabinetts", sagte er. (apa/red)

19.2.2009 14:28