Donnerstag, 19. Februar 2009

Frauen regieren die Welt: Michelle Obama
und Hillary Clinton an den Hebeln der Macht

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"Da du mich schon minutenlang anstarrst, kann ich mich auch gleich vorstellen.“ Es war im Frühling 1971, in der Bibliothek Harvards, als die Jusstudentin Hillary Rodham einem gewissen Bill Clinton die Hand mit diesen Worten entgegenstreckte. Frech und unerschrocken: So wie Bill lernte später die ganze Welt die resolute Dame kennen. Eher unbeeindruckt reagierte auch die Anwältin Michelle Robinson, als ihr der fesche Praktikant für die Sommermonate vorgestellt wurde: ein Herr Obama, auf den sie aufpassen sollte. „Er schaut aus wie so ein richtiger eitler Pinkel!“, meinte sie nach dem ersten Blick auf ihn.

Die Fortsetzungen dieser ersten Begegnungen sind Geschichte. Im Abstand von knapp einem Vierteljahrhundert verliebte sich in den USA je eine hochtalentierte junge Frau in je einen charismatischen jungen Mann, alle im Dunstkreis der hohen Anwaltskunst. Die Liebes- und Lebensgeschichten dieser Paare verliehen dem Begriff „Ehepartner“ eine neue Polit-Dimension. Hillary Rodham-Clinton und Michelle Robinson-Obama sind heute die mächtigsten Frauen der Welt; nicht bloß dank ihrer Männer; auch trotz der beiden.

Ikonen im Weißen Haus
Michelle Obama hat wohl die Meinung über Barack geändert, doch sie erweckt immer noch den Eindruck, auf ihn aufzupassen. „Vermassle das jetzt bloß nicht“, raunte sie ihm vor einer entscheidenden Rede zu. Und von ihrer angeblich neuen Rolle, der „Mom-in-Chief“, ist wenig zu merken. Die First Lady schwelgt im Honeymoon mit der Politik. Von wegen Rückzug zu Kindern, Herd und Heim – sie brilliert nach wie vor als Style-Ikone, vor allem aber bei öffentlichen Auftritten. „Michelle ist die Brücke zwischen der Basis und dem Präsidenten, so wie schon während des Wahlkampfes“, so die Bilanz der „New York Times“ über den ersten Monat der Obama-Amtszeit.

Fäden in Frauenhand
Michelle Obama hat mehr Macht als die meisten First Ladies vor ihr; mit einer Ausnahme: Hillary Clinton. Doch sie kann aus den Fehlern der Ersteren lernen und genauso von ihren Erfolgen profitieren. Zu rasch setzte im Jahr 1993, nur ein Jahr nach seiner Wahl, Bill Clinton seine Ehefrau in seiner Regierung formell in Szene. Damals übernahm die Top-Anwältin die Reform des Gesundheitssystems – und scheiterte verheerend.

Trotzdem gelang es Hillary während der acht Jahre, die ihr Mann an der Spitze der Supermacht stand, ihr eigenes Profil so sehr zu schärfen, dass sie eine eigene Polit-Karriere aufbauen konnte. Acht Jahre vertrat sie danach als Senatorin New York; zuletzt wäre sie um ein Haar die Kandidatin der Demokraten fürs Weiße Haus geworden. Gescheitert ist sie vordergründig an der Polit-Kultfigur Barack Obama, auf den zweiten Blick aber an seiner Frau. Diese entpuppte sich als wohlgeerdeter Magnet für Wähler und vor allem Wählerinnen, die perfekte Ergänzung zu ihrem sensiblen, aber unnahbar wirkenden Mann. Klug, scharfzüngig, mit einer fein komponierten Mischung aus Lässigkeit und Disziplin, Mütterlichkeit und Unabhängigkeit wurde Michelle Obama zum Symbol des neuen Amerika, nach dem sich die Mehrheit der krisengebeutelten Bevölkerung sehnte.

Damenduo der Macht
Michelle stahl Hillary erst die Show, doch nun orchestrieren die beiden Damen im diplomatisch versierten Pas de deux die Richtung, die dieses neue Amerika einnimmt. Dabei kann Hillary außerhalb des Schattens Bill Clintons nun ungehindert die erste Geige im Orchester des Präsidenten spielen. Die Rolle Michelles als Supermacht bleibt informell und so um vieles mächtiger.

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19.2.2009 10:30