Montag, 16. Februar 2009

189 Todesopfer bei der Feuerkatastrophe:
Mutmaßlicher Brandstifter ist vor Gericht

  • Zahl der Opfer könnte sich jedoch noch erhöhen
  • Tausende Feuerwehrleute sind weiter im Einsatz

Ungeachtet von Befürchtungen der Lynchjustiz ist bei dem ersten Prozess gegen einen mutmaßlichen Urheber der verheerenden Waldbrände in Australien der volle Name des Angeklagten verlesen worden. Brendan S. wird vorgeworfen, einen Brand mit 21 Toten gelegt zu haben. Bei den Bränden starben nach neuen Angaben mindestens 189 Menschen.

Der mutmaßliche Brandstifter war vergangene Woche in seiner Heimatstadt im Bundesstaat Victoria festgenommen und zu seiner eigenen Sicherheit nach Melbourne gebracht worden. Den Medien war es zunächst streng untersagt, Hinweise auf die Identität des Verdächtigen zu veröffentlichen. Damit reagierte die Polizei auf Rufe nach Selbstjustiz: Überlebende der Brände hatten im Fernsehen gefordert, die Brandstifter sollten an Pferden festgebunden und zerrissen oder mit Öl übergossen und verbrannt werden.

Ein Richter hob die Anordnung zur Anonymität vor dem Prozess jedoch mit der Begründung auf, diese habe kaum "praktische Auswirkungen". Auf Wunsch des 39-jährigen Angeklagten fand der erste Prozesstag ohne ihn statt. Neben den Vorwürfen der Brandstiftung mit Todesfolge und absichtlichen Herbeiführens eines Buschbrands muss sich S. auch wegen Besitzes von Kinderpornografie verantworten. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft. Australiens Premierminister Kevin Rudd hatte vergangene Woche die Brandstifter als "Massenmörder" bezeichnet.

Nach Polizeiangaben wurden alle außerhalb von Ortschaften gefundenen Toten mittlerweile identifiziert. Es werde noch einige Zeit dauern, bis die endgültige Opferzahl feststehe.

Unterdessen kämpfen tausende Feuerwehrleute weiter gegen noch acht außer Kontrolle geratene Brände in Victoria, Ortschaften waren jedoch nicht bedroht. Die günstigen Wetterbedingungen sollen noch bis Mittwoch andauern, die Behörden warnten jedoch, dass starke Winde die Feuer wieder anfachen könnten.
(apa/red)

16.2.2009 13:35