Galtür rüstete sich nach der Katastrophe:
Tiroler Ort investierte 10 Mio. in Sicherheit
- Viele Dörfer weisen ähnliche Bedrohungslage auf
- Zwei Lawinendämme schützen Tal gegen Abgänge
Nach der Lawinenkatastrophe von 1999 in Galtür im Tiroler Paznauntal mit 31 Todesopfern und hohem Sachschaden hat man viele Sicherheitsmaßnahmen realisiert. Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es aber nach wie vor nicht. "Zudem sind bei vielen anderen inneralpinen Tälern im hochalpinen Bereich ähnliche Voraussetzungen gegeben", erklärte der Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Tirol, Siegfried Sauermoser.
In Galtür habe man rund zehn Millionen Euro für die Sicherung des Ortes ausgegeben, erklärte Bürgermeister LAbg. Anton Mattle. Das Zentrum des Dorfes wird von zwei überlappenden Lawinendämmen geschützt. Der erste Damm, der auch das Alpinarium - ein multifunktionelles Gebäude mit einem Informations- und Dokumentationszentrum - beherbergt, ist rund 350 Meter lang und an der höchsten Stelle über 20 Meter hoch. Zusätzlichen Schutz bietet ein zweiter Damm, der rund 100 Meter lang und zwölf Meter hoch ist. Direkt am Berg wurden mittlerweile rund sechs Kilometer Stahlschneebrücken errichtet. Diese rund vier Meter hohen Verbauungen im sogenannten Anbruchsgebiet sollen ein Abrutschen des Schnees verhindern.
Alle Gebäude, die nach der Zerstörung wieder errichtet wurden, unterlagen strengen Auflagen. "Sie wurden zum Teil in massiver lawinensicherer Bauweise mit Stahlbeton und Schutzfenster errichtet", sagte Mattle. Somit habe man durch die Abbruchsverbauung, die Lawinendämme und die lawinensichere Bauweise der Gebäude eine dreifache Absicherung erreichen können.
Ständige Evaluierungen und Verbesserungen
Darüber hinaus werden in Galtür die Evakuierungspläne stetig evaluiert und verbessert. Laufend würden auch die gesammelten Hochwassererfahrungen in die Pläne eingearbeitet werden. Nicht nur die Zufahrt zum Paznaun wurde verbessert, auch für eventuelle Straßensperren habe man ein verbessertes Notversorgungsprogramm entwickelt. Die Zonenpläne habe man in den vergangenen Jahren laufend evaluiert. "Die Raumplanung ist bei uns ohnedies durch Naturgefahren vorgegeben, damit müssen wir uns abfinden", betonte Mattle. Derzeit befänden sich lediglich drei Häuser in der roten Zone.
Das Unglück sei Anstoß für die Bemühungen auf dem Gebiet der Lawinenforschung gewesen, sagte Mattle. Die Ereignisse im Jahr 1999 hätten im gesamten Alpenraum wesentlich zur Beschleunigung der Entwicklung von Lawinenvorhersagemodellen und Simulationen beigetragen. In Innsbruck wurde beispielsweise das "AlpS", ein Zentrum für Naturgefahren- und Risikomanagement, gegründet. Auch die länderübergreifende Zusammenarbeit im Bereich der Lawinenforschung habe sich seither "wesentlich verbessert", meinte Mattle.
Kaum in einem anderen Ort habe man soviel für die Sicherheit vor Lawinen getan wie in Galtür, unterstrich der Bürgermeister. Eine restlose Sicherheit könne aber dennoch nicht erreicht werden. Mittlerweile herrsche in Galtür aber eine "positive Stimmung", obwohl um den Jahrestag herum vieles wieder in Erinnerung gerufen werde, sagte der Bürgermeister.
(apa/red)
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