Sonntag, 22. Februar 2009

'Phantom' nach 3 Jahren Suche geschnappt:
Zigarettenschmuggler kostete Fiskus 50 Mio.

  • Neben Hauptverdächtigen 2 weitere Personen in Haft
  • Mann soll 300 Mio. Zigaretten geschmuggelt haben

Ein seit drei Jahren von den heimischen Behörden gesuchter Zigarettenschmuggler im großen Stil ist in Niederösterreich gefasst worden. Dem Fiskus sei durch die Tätigkeiten des als "Phantom" bezeichneten Mannes ein Schaden in Höhe von mindestens 50 Millionen Euro entstanden, berichtete ein Sprecher des Finanzministeriums. Insgesamt wurden drei Personen, darunter die Frau des Hauptverdächtigen, gefasst.

Der Schmuggler soll 300 Millionen Glimmstängel allein nach Österreich gebracht haben, berichtete die "Kronen Zeitung". Um die Menge zu verdeutlichen: In einem "guten Jahr" stellt die Behörde in Österreich 80 Millionen Stück sicher. Der Ministeriumssprecher, Harald Waiglein, bestätigte, dass die Behörden schon lange auf der Spur des "Phantoms" waren. "Wir haben immer wieder Lager ausgehoben, der Drahtzieher konnte jedoch immer im Hintergrund bleiben."

Der Mann, ein Deutscher, ging sehr gerissen vor, verwendete mindestens acht Alias-Namen und gründete verschiedene Firmen. So hatte er u.a. Niederlassungen in Slowenien, den Niederlanden und in Russland. Zudem handelte es sich um Scheinfirmen, an deren Adressen gar keine Büros existierten. Beim Schmuggel deklarierte der Verdächtige z. B. als Eigentümer einer Elektronikfirma die illegalen Zigaretten als Kopierer. "Wir können der Gruppe 32 Containerlieferungen nachweisen", betonte Waiglein.

Die Frau des "Phantoms" arbeitete in einer Steuerberatungskanzlei und soll ihren Mann mit Insiderinformationen über Zollverfahren versorgt haben. "Sie steuerte auch das Wissen bei, wie Waren möglichst unverdächtig zu deklarieren sind", erzählte der Ministeriumssprecher.

Großaktion mit 30 Mann
Geschnappt wurde "Phantom" in einer Gemeinde im Bezirk Bruck/Leitha. "Wir haben das Lager observiert, wir wussten, dass jemand die Lieferung abholen muss", so Waiglein. Es handelte sich um eine Großaktion mit 30 Mann. Im Einsatz standen Zollfahnder aus Wien, Ober- und Niederösterreich sowie Observierungsteams aus Kärnten und dem Burgenland. "Wir haben auch mit dem Bundeskriminalamt zusammengearbeitet, weil es eine Telefonüberwachung gab", sagte Waiglein.

Die Behörden konnten neben zehn Millionen Zigaretten zahlreiche Unterlagen sicherstellen. Im Zuge des Zugriffs war es zu mehreren Hausdurchsuchungen gekommen. "Wir werden der Gruppe vermutlich noch weitere Lieferungen zuordnen können", betonte der Sprecher. Nicht nur für das Phantom und dessen Ehefrau klickten die Handschellen: später wurde auch noch ein Komplize gefasst. Dieser, ein Österreicher russischer Abstammung, sei für die Bestellung der Zigaretten aus China zuständig gewesen. Der Deutsche kümmerte sich um die Logistik.
(apa/red)

22.2.2009 18:37