Donnerstag, 19. Februar 2009

Geiselnahme entpuppte sich als Schwindel:
55-jähriger Mürztaler von Cobra überwältigt

  • Psychiatrisches Gutachten nach Einvernahme geplant
  • Hatte keine Sprengfallen: Wenig wirksames Arsenal

Aufatmen in St. Marein im steirischen Mürztal: Die befürchtete Geiselnahme in einem Wohnhaus hat sich nach einem 20-stündigen Polizeieinsatz als Schwindel herausgestellt. Jener 55-jährige Mann, der sich seit gestern verschanzt hatte, wurde heute in der Früh von den Einsatzkräften überwältigt. Er hatte entgegen seinen Behauptungen keine deutsche Autostopperin in seiner Gewalt.

Stunden nach dem Zugriff wurde der Obersteirer erstmals verhört. Noch auständig ist ein psychiatrisches Gutachten das darüber entscheidet, ob es zu einer Anklage oder zu einem Antrag auf Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher kommen wird. Einstweilen sitzt er in Leoben in Untersuchungshaft.

Der 55-Jährige hatte gegenüber der Polizei behauptet, er habe eine Frau als Geisel und wollte auf diese Weise seinem Anliegen Gehör verschaffen. Wie sich herausstellte, war er aber allein in der Wohnung. Sollte es zu einer Anklage kommen, könnten die Delikte "Landzwang" und "schwere Nötigung" angeklagt werden. Dabei ist die Drohung im Landzwang bereits enthalten: "Wer die Bevölkerung oder einen großen Personenkreis durch eine Drohung mit einem Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, Freiheit oder Vermögen in Furcht und Unruhe versetzt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen", so der Paragraf 275 im österreichischen Strafgesetzbuch.

"Vortäuschung einer Straftat"
Möglich wäre auch eine Anklage wegen "Vortäuschung einer Straftat", was allerdings in diesem Fall nicht sehr wahrscheinlich ist, so Plöbst. Bei der Vortäuschung einer Straftat kommt es auch darauf an, ob sie mit einer Drohung verbunden ist.

Arsenal wenig wirksam
Der Großeinsatz der Spezialeinheit Cobra hat sich als weniger gefährlich als angenommen erwiesen: Wie die Untersuchungen des Landeskriminalamtes ergaben, war das Waffenarsenal des vorgeblichen Geiselnehmers ziemlich harmlos, "Sprengfallen", "Molotowcocktails" und Gasflaschen wurden nicht gefunden.

Lediglich einige Flaschen Benzin, die er angeblich gegen sich selbst verwenden wollte, um eine Verhaftung zu vereiteln, seien laut Chefermittler Anton Kiesl sichergestellt worden. Die "Lanze", von der im Bericht des Einsatzkommandos die Rede war, sei ein "Stecken" mit untauglich befestigter Messerklinge gewesen, um die Türe zu verkeilen. Auch die Propangasflaschen, mit denen er das Haus in die Luft zu sprengen drohte, gab es nicht.

Täter fühlte sich ungerecht behandelt
Zur Person des Täters gab der Leiter der Verhandlungsgruppe, Herbert Fuik, bekannt, dass er alleinstehend und berufstätig, zuletzt aber im Krankenstand gewesen sei. Er habe sich nach länger zurückliegender Urteile wegen gefährlicher Drohung und Körperverletzung ungerecht behandelt gefühlt und seine Tat schon länger geplant, um auf seinen Fall aufmerksam zu machen. Der 55-Jährige schickte auch mehrere Briefe an höher gestellte Persönlichkeiten, u.a. an den Bundespräsidenten und den steirischen Landeshauptmann.

(apa/red)

19.2.2009 10:55
soko67, 19. 02. '09 08:47
Geiselnahme
es ist schon interessant unter welchem Vorwand diese Geschichte da in der Steiermark stattfand. Die Kosten sind doch das Mindeste, was diesem Mann aufgehalst werden müssen, abgesehen von der Strafe die er zu erwarten hat, hoffentlich, oder man "übersieht" das, wie so oft in unserem Lande, was sicher keiner verstehen wird. Nachahmer sind ja schon am Warten?!