Montag, 16. Februar 2009

Bischofskonferenz erteilt Rom einen Rüffel:
"Verkürzter Weg" bei Wagners Ernennung

  • Hirtenbrief: Forderung nach "höchster Sensibilität"
  • Vatikan: Wagner-Rückzug noch nicht angenommen
    Ihr Kommentar: Was sagen Sie zum Kirchen-Chaos?

Einen Rüffel für Rom hat es von Österreichs Bischöfen bei ihrer Sondersitzung zur Kirchenkrise gegeben. Per Hirtenbrief wurde die Mahnung versandt, bei Bischofsernennungen künftig mit "höchster Sensibilität" vorzugehen. Im Falle des umstrittenen und mittlerweile wieder zurückgetretenen designierten Weihbischofs Gerhard Maria Wagner sei jedenfalls der "verkürzte Weg" gegangen worden, sagte Kardinal Christoph Schönborn in einer Pressekonferenz.

Klar appellierten die Bischöfe an den Vatikan, Verfahren zur Prüfung von Bischofs-Kandidaten einzuhalten. Vor einer solchen Entscheidung müsse es "verlässliche und umfassend geprüfte Grundlagen" geben. Für Schönborn hat sich dieses Verfahren bewährt, wenn dieses "in vollem Umfang" durchgeführt wird. Dass es weiterhin einen Weihbischof in Linz brauche, ist für Schönborn klar. So sieht es auch der dortige Diözesanbischof Ludwig Schwarz, der aber laut eigenen Aussagen noch keinen Ersatz für Wagner beantragt hat.

Kirche hat Fehler gemacht
Schönborn räumte nach der Sondersitzung ein, dass es sich bei der Causa Wagner vor allem auch um Fragen der Kommunikation gehandelt habe. Auch die Kirche habe Fehler gemacht, gestand der Kardinal abermals.

Deutliche Worte gab es auch in der Causa der lefebvrianischen Gemeinschaft - die Aufhebung ihrer Exkommunikation durch Papst Benedikt XVI. hat eine internationale Kirchenkrise ausgelöst. Diese müsse die "ausgestreckte Hand ergreifen" und tatsächlich Versöhnung zu suchen.

Wagner-Rückzug noch nicht angenommen
Unterdessen gab es auch beim Adressaten des Hirtenbriefs, dem Vatikan, leichte Irritationen, was Wagners Rückzug betrifft. Dort will man sich vorerst nicht zu den jüngsten Ereignissen in Österreich äußern, hieß es. "Sollte der Heilige Vater die Bitte annehmen, wird der Verzicht auf die Bestellung zum Weihbischof öffentlich im Bulletin des Presseamtes des Vatikans bekanntgegeben", erklärte Pater Ciro Benedettini, stellvertretender Pressesprecher des Vatikans.

Schönborn zeigte sich, dazu befragt, verwundert: Die Entscheidung müsse eigentlich wahrgenommen und im Bulletin veröffentlicht worden sein. Unter den "Vaticanisti", den am Heiligen Stuhl ständig akkreditierten Journalisten, herrschte unterdessen Unverständnis über Wagners Beschluss.

Erleichterung bei Wagner selbst
Wagner selbst sah den Rummel und die Empörung über ihn in der Öffentlichkeit gelassener. "Dieser Rücktritt geschieht aus freien Stücken", meinte er nur, "ich bin sehr erleichtert aufgestanden, im Vergleich zu den letzten Nächten". Er habe "von Anfang an, als ich ernannt wurde, natürlich den Widerstand gespürt", bekannte der Geistliche - er müsse "auch ehrlich sagen, auf sehr oft unbarmherzige und lieblose Weise". Schönborn appellierte deswegen nach der Krisensitzung an alle Gruppen, das Gespräch zu suchen und nicht gegenseitig "zu verteufeln und zu verketzern".

Noch erleichterter als Wagner zeigten sich manche Kirchenkritiker einen Tag nach dem Bekanntwerden des Verzichts. "Eine erfreuliche Entspannung" nannte es Kirchen-Plattform-Mitbegründer Hubert Feichtlbauer. Für den Probstdorfer Pfarrer Helmut Schüller wurde ein "erster Schritt getan, den Erwartungen der Kirchenbasis Rechnung zu tragen". Für die Homosexuellenvereinigung HOSI Linz hat Wagner, der mit Theorien über angebliche "Heilung" Homosexueller für Kopfschütteln gesorgt hatte, "offensichtlich die Zeichen der Zeit erkannt und daraus Konsequenzen gezogen".

Untersuchungskommission gefordert
Nicht ganz befriedigt durch den Rückzug Wagners und die Worte der Bischöfe zeigten sich hingegen die oberösterreichischen Generaldechanten, die mit deutlicher Mehrheit gegen die Personalentscheidung gestimmt hatten. Sie forderten "eine Art Untersuchungskommission", die klären soll, welche "graue Eminenz" sich in Rom für die Ernennung Gerhard Maria Wagners zum Linzer Weihbischof stark gemacht hat. Eher ruhig verhielt sich der konservative Linzer Priesterkreis, der für die weitere Vorgangsweise eine Verschnaufpause vorschlägt.

(apa/red)

16.2.2009 18:29
write, 17. 02. '09 05:10
Toleranz...
Katholische Geistliche sind ja- ob des angeblichen Zöllibates- unter verdeckter Hand immer im Gerücht der sexuellen Gestörtheit.
Das wird durch die Vorfälle in Amerika, aber auch die schwulen Exzesse im Priesterseminar St. Pölten auch immer wieder bestätigt.
Wenn nun ein überaschenderweise wohl Heterosexueller wie Wagner Homosexualität als Krankheit definiert, wird er symbolisch ans Kreuz genagelt!
Warum?
Er ist nicht tolerant.
Die Mehrheit der Bevölkerung empfindet Homosexualität als nicht normal, toleriert sie aber weil es ihr ja egal sein kann.
Wir werden Heutzutage zur Toleranz unserem Empfinden gegenüber erzogen...
thaddaeus47, 18. 02. '09 14:35
Nicht Tolerant?
Die Aussagen des geistlichen Würdenträgers von Herrn WAGNER wurden klar hochstilisiert. Wir leben anscheinend in einer Demokratie? Herr WAGNER wurde für seine Aussagen nicht fair behandelt.
Natürlich waren seine Worte nicht glücklich gewählt. Aber für einem Land wie Österreich, wo scheinbar freie Meinungsäußerung herrscht, jederzeit tragbar.
Herr FEICHTLBAUER kommt sich schon vor wie der Papst.
Ich bin kein praktizierender Christ. Nur wegen einiger Leute die solche Meinungen von sich geben, deswegen aus der Kirche auszutreten, dazu ist mein Glaube zu tief verankert.
Zu den Aussagen vom Bischof von der Insel. Hier sollte kein Widerruf auf Verlangen des Vatikans erfolgen. Vielmehr sollte er zwecks der Weiterbildung die Stätten: Auschwitz-Birkenau, Buchenwald etc. aufsuchen. mfg a.l.
marcello82, 17. 02. '09 03:41
Es reicht
Eine Institution wie die rümisch katholische Kirche, die seit ihrem Beginn nichts besseres zu tun hat als Menschen zu beeinflussen und Ihren Willen aufzuzwingen, hat heutzutage einfach kein Recht sich politisch sowie gesellschaftlich zu äußern. Die Kirche ist nichts weiter als ein überholter Haufen von Heuchlern, die jedem alles verspricht, solang es um Ihr eigenes Wohl geht und nicht mehr das Geringste mit dem ursprünglichen Gedanken Ihrer Entstehungstage zu tun hat. Ich habe die Kirche noch nie gutgeheißen und werde es wohl auch nie und bin wie so viele andere nur noch Christ weil es einem gesellschaftlich aufgezwungen wird. Von selbsternannten Bonzen, die von der Realität genausoviel verstehen wie ein Hamster vom Tennisspielen.
batfrau, 16. 02. '09 20:30
Wo bleibt unser Glaube?
Weit ist es gekommen: Man will nur Vorgesetzte, die das tun sollen, was das Volk will (Homosexualität gutheissen, Abtreibung befürworten ....). Im Mittelalter ist trotz solcher Vorfälle (Päpste der Borgia-Familie, die eigene Frauen und Kinder hatten ) unser Glaube heil geblieben. Und wer sich nicht an die Regeln des Christentums hält ( Gebote... ), soll sich einen anderen "Verein" suchen und nicht das eigene Nest beschmutzen. Leider schreien die Nestbeschmutzer zu laut, auch wenn sie Priester oder Bischöfe sind, oder sich "Wir sind Kirche" heissen!
marcello82, 17. 02. '09 04:12
Re: Wo bleibt unser Glaube?
Ohne Ihnen nahetreten zu wollen möchte ich Ihnen vorführen an welchen kranken Gedanken sie immer noch festhalten:

Du sollst dich vermehren und Abtreibung verdammen, denn auch schwerstbehinderte Menschen haben es gut und leben schön von der Gesellschaft (denn die will ja nicht mit ihnen konfrontiert werden) ausgeklammert in abgeschotteten heimen

Du sollst den Gottesdienst besuchen und nach einer Indoktrination mit erfundenen Märchen (damit die auch schön im Kopf bleiben) fleißig Geld in den Hintern stopfen

Du sollst an unsere kranken Lügen glauben, denn wir wissen ja nicht was jenseits des Himmelsreiches so alles geschieht - also nehmt es uns nicht übel und überweist mal schön

Jeder Mensch ist gleich - außer Schwule, Geschiedene, ledige Bastarde ... also eigentlich nur wir
Dantine, 16. 02. '09 18:24
Bischofswahl
Man konnte nicht glauben, daß man sich Johannes Paul II. zurückwünscht - als evangelischer Christ!Der Rechtsruck im Vatikan ist mehr als deutlich zu spüren! Nicht nur bei der Bischofswahl! Ein Theoretiker - und sei er auch noch so klug - hat von Politik und Kirchenführung wenig Ahnung!
klugscheisser8, 16. 02. '09 17:54
Bin schon gespannt ...
... was der Vatikan jetzt unternimmt, denn der Rücktritt Wagners und die Kritik Schönborns wird sicherlich noch Konsequenzen aus Rom nach sich ziehen.