Gut integrierte Familien vor Abschiebung: Bürgermeister will "Blödheiten abstellen"
- Familien leben seit Jahren in Mittersill im Pinzgau
- Ortschef Viertler fordert humanitäres Bleiberecht ein
·Asyl-Anträge sind 2008 wieder gestiegen
Erstmals seit Jahr 2002 wieder mehr Ansuchen
·Was diese Begriffe genau bedeuten:
Asyl-, Fremden- und humanitäres Bleiberecht
·27 Prozent weniger Einbürgerungen 2008
Großteil stammt aus ehemaligen Jugoslawien
·Arigonas Familie
wird wieder getrennt
2 Brüder kehren freiwillig in den Kosovo zurück
Zwei offenbar gut integrierte Familien, die seit Jahren in Mittersill im Salzburger Pinzgau leben, sollen jetzt in den Kosovo abgeschoben werden: Sie haben ihren negativen Asylbescheid in der Hand. Der Mittersiller Bürgermeister Wolfgang Viertler kündigte an, er werde die Verantwortlichen anrufen, "diese Blödheiten abzustellen".
Die Betroffenen hätten sich in Mittersill nachweislich voll integriert, deshalb sollte ihnen ein humanitäres Bleiberecht gewährt werden, betonte der aus der FPÖ ausgetretene parteifreie Ortschef. Er respektiere die negativen Bescheide und befürworte eine restriktive Asylpolitik, betonte Viertler. "Wenn aber Asylverfahren so lange dauern wie in diesen beiden Fällen und die Familien dem Land wohl gedient haben, Steuern zahlen und ihr soziales Verhalten voll in Ordnung ist, dann ist es inhuman, sie da herauszureißen. Sie haben sich bewiesen und 'ja' zu Österreich gesagt."
Nur lobende Worte
Vom Kindergarten über den Fußballtrainer bis zum Arbeitgeber gebe es nur lobende Worte, sagte der Bürgermeister. Laut Behörden liegen keine Asylgründe vor, deshalb sollen die beiden Familien mit insgesamt fünf Kindern abgeschoben werden. Der Rechtsanwalt von Familie R., Gerhard Mory, appellierte an die Fremdenpolizei Zell am See, keine Ausweisung auszusprechen. "Sie sollen das humanitäre Bleiberecht bekommen, das neu geregelt wurde und am 1. April in Kraft tritt."
"Sehr fleißig"
Bei der Familie R. handle es sich um Armutsflüchtlinge. Sie beziehe aber keine Sozialhilfe, der Vater sei "sehr fleißig" und habe schon nach drei Monaten eine Saisonarbeitsstelle im Gastgewerbe erhalten. Seine Beschäftigungsbewilligung laufe im November ab. Die Familie A. sei mit ihren zwei Kindern bereits seit 1999 in Österreich, die Familie R. mit ihren drei Kindern seit 2002.
(apa/red)
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