NEWS-Redakteur Heinz Sichrovsky über Dilettanten und Könner

Die Oper braucht wieder Fachleute.
Mein Kollege Manuel Brug hat in der Tageszeitung Die Welt die Übernahme ganzer Opernhäuser durch Sängeragenturen beklagt. In der Tat werden vielerorts schon komplette Premierenbesetzungen samt Dirigenten von ein und derselben Firma zugeliefert. Das konnte nicht anders kommen: In dem Maß, in dem heute das Szenische überschätzt wird, verbreitet sich die Ahnungslosigkeit im Musikalischen.
In deutschen Opernkritiken blockieren Regie und Bühne oft 80 Prozent des Platzes. Der eben an der Münchner Oper angetretene ehemalige Burgtheaterdirektor hat zuletzt vor zehn Jahren die Volksoper geleitet. Folgerichtig steht sein Haus auf Brugs Negativliste ganz oben (dabei müsste man ihm danken, dass er professionelle Hilfe sucht, statt eigenen Besetzungskünsten zu vertrauen). Das bedeutet nicht, dass szenisches Gammelrepertoire wie die Salome-Wiederaufnahme der Wiener Staatsoper zu tolerieren wäre. Aber für die Neubesetzung Salzburgs hat man mit Glück gelernt. Die vermutlichen Spitzenkandidaten Markus Hinterhäuser, Roland Geyer und Andreas Mölich-Zebhauser sind in erster Linie hervorragend musiksinnige Leute, die auch szenisch auf der Höhe der Zeit stehen. Außerdem neigen sie weder zum Jobhoppen noch zum Ämterkumulieren, sondern verpflichten sich ihren Aufgaben mit all ihrem Können. Also: nur Mut, einmal das Richtige zu tun.
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