Donnerstag, 12. Februar 2009

Austro-Zulieferer zunehmend unter Druck:
Böhler Uddeholm schickt 1.700 in Kurzarbeit

  • Miba verkürzt Arbeitszeiten von 320 Mitarbeitern
  • Massenkündigungen in französischer Autoindustrie

Im Gleichschritt mit der europäischen Automobilindustrie gehen Österreichs Zulieferbetriebe in die Knie. Die oberösterreichische Miba AG verkürzt demnächst die Arbeitszeiten von 320 Mitarbeitern, die Böhler Edelstahl GmbH schickt sogar 1.700 Beschäftigte in Kurzarbeit.

Beide Betriebe sind auf die Aufträge der momentan stark schwächelnden Automobilindustrie angewiesen. Der Miba Konzern mit Hauptsitz in Laakirchen in Oberösterreich ist als Zulieferer der internationalen Motoren- und Fahrzeugindustrie tätig, die Böhler Edelstahl GmbH Co KG, eine 100-Prozent-Tochter der Böhler Uddeholm AG, zählt weltweit zu den bedeutendsten Anbietern von Schnellarbeitsstählen, Werkzeugstählen sowie Sonderwerkstoffen.

Infolge der Krise der Automobilindustrie seien mittlerweile alle wesentlichen Abnehmersegmente, in die man liefere, "stark rückläufig", erklärte Böhler-Geschäftsführer Johann Weigand. Diese Entwicklung bescherte der Böhler Edelstahl GmbH Co KG Auftragsrückgänge zuerst um 20 bis 30 Prozent und seit November 2008 bis 60 Prozent unter dem Budgetwert.

Man müsse die Kapazitäten an das schwache Marktumfeld anpassen, bestätigte auch Miba-Vorstandsvorsitzender Peter Mitterbauer. Der börsenotierte Zulieferer stellt sich daher auf schwierige Monate ein. Die von der angespannten Wirtschaftslage besonders betroffene Automobilindustrie mache rund 40 Prozent des Gruppenumsatzes aus und sei somit einer der Kernmärkte der Miba, erklärte Mitterbauer. Signifikante Nachfragerückgänge seien die Folge.

Bezugsverringerung von 10 Prozent
Die Betroffenen der Miba-Belegschaft werden vier Wochen lang im Durchschnitt 25 Prozent kürzer arbeiten und dafür eine Bezugsverringerung von rund zehn Prozent hinnehmen müssen, teilte der Autozulieferer mit. "Die Miba beschäftigt in Österreich zurzeit 1.600 Mitarbeiter. Unser Ziel ist, mit der Stammbelegschaft durch diese schwierige Zeit zu kommen, da wir genau diese gut ausgebildeten Mitarbeiter für den kommenden Aufschwung brauchen.", sagte Mitterbauer.

Bei Böhler wurde bereits Ende Jänner mit dem Betriebsrat über die Einführung der Kurzarbeit eine grundsätzliche Einigung erzielt worden. Die Anwendung dieser Maßnahme wird 1.700 der rund 2.000 Mitarbeiter betreffen.

Massenkündigungen bei Peugeot und Renault
Trotz der spürbaren Einschnitte sind Österreichs Arbeitnehmer im internationalen Vergleich noch besser davongekommen. Allein in den letzten Tagen verkündeten Peugeot und Renault die Streichung von 11.000 Arbeitsplätzen, während Renault plant, den Abbau von 9.000 Beschäftigten ankündigte, ist hierzulande Kurzarbeit gesagt.

Eine Besserung der Auftragslage ist momentan nicht in Sicht, auch im Jänner war ein Rückgang der Kfz-Neuzulassungen in Österreich zu verzeichnen. Insgesamt wurden 23.108 Kraftfahrzeuge neu zum Verkehr zugelassen. Das entspricht einem Minus von 15,9 Prozent gegenüber Jänner 2008. Dennoch gibt es einen Silberstreif am Horizont: Im Vergleich zum Vormonat Dezember seien die Zulassungen aber um 17,9 Prozent gestiegen, teilte die Statistik Austria in einer Aussendung mit.
(apa/red)

12.2.2009 15:45