Sonntag, 15. Februar 2009

Benni Raich rettet die Ehre der ÖSV-Herren:
Pitztaler holt Silbermedaille im Riesenslalom

  • Schweizer Carlo Janka krönt sich zum Weltmeister
  • US-Amerikaner Ted Ligety erfährt die Bronzemedaille

Der Sieg im WM-Riesentorlauf von Val d'Isere ist ganz klar an den Schweizer Shootingstar Carlo Janka gegangen, aber Benjamin Raich hat mit der Silbermedaille für das erste Edelmetall der österreichischen Ski-Herren bei den 40. Welttitelkämpfen und damit für ein kollektives Aufatmen in der rot-weiß-roten Skifamilie gesorgt. Bronze ging an den US-Amerikaner Ted Ligety, 7/100 Sekunden dahinter landete der 19-jährige Salzburger Marcel Hirscher auf dem Blechrang.

An dem Tag, an dem die Ärzte in der Universitätsklinik Innsbruck bekanntgaben, dass der in Kitzbühel so schwer gestürzte Daniel Albrecht wieder völlig gesund werden soll, legte sein 22-jähriger Teamkollege Janka zwei Traumläufe auf die "Face de Bellevarde". "Ich habe Gold auch für Daniel Albrecht geholt. Wir hoffen, dass er bald zurück ist", sagte der Mann aus Obersaxen, der bereits Bronze in der Abfahrt gewonnen hatte und zwei Weltcupsiege in seiner Karriere einfuhr.

250. ÖSV-Medaille
0,71 Sekunden nahm Janka am Ende den auch zur Halbzeit auf Platz zwei liegenden Raich ab, der seine 13. Medaille bei Großereignissen gewann und für die 250. Medaille des ÖSV in der WM-Geschichte sorgte und in Val d'Isere von seiner Freundin Marlies Schild unterstützt worden war. In den ersten drei Herrenbewerben bei der WM waren die Österreicher leer ausgegangen und immer mehr unter Druck geraten. Ligety hatte sich von Platz 9 auf 3 verbessert, weil er nach dem ersten Lauf richtig sauer gewesen sei und dann alles riskiert habe. "Ich bin sehr glücklich, dass ich so viel aufholen konnte und bin auch ein bisschen überrascht."

Raich, der nach der Enttäuschung über den Ausfall in der Super-Kombination zum Training heim nach Tirol gereist war und erst am Mittwochabend wieder in den WM-Ort zurückkehrte, hatte auf seinen Adelboden-Siegerski vertraut, er wusste, dass er auf diesem schwierigen Hang voll angreifen musste. "Ich habe alles riskiert und bin auf Sieg gefahren, das ist sich weit nicht ausgegangen. Ich muss froh sein, dass ich noch Silber gemacht habe. Für mich ist dieses Silber sehr schön, Janka war heute zu gut", sagte der Pitztaler, der das Gerede von einer Krise bald nicht mehr hören kann: "Wenn zwei, drei Rennen einmal keiner auf dem Podest steht, dann ist noch lange keine Krise da, aber bitte."

Enttäuschtes "Rennschwein"
Auf dem vierten Rang landete WM-Debütant Hirscher, der damit verständlicherweise nicht so die rechte Freude hatte: "Kein schlechtes, aber eine undankbares Ergebnis. Skifahrerisch hat es gepasst, aber der kleine Hackler am Schluss war zu viel. Natürlich bin ich enttäuscht, sonst wäre ich kein Rennschwein", gestand der Salzburger, der meinte, dass sich die Sache mit den Hundertsteln schon die ganze Saison durchziehe. "Aber man sagt, dass man diese Hundertstel irgendwann zurückbekommt."

Philipp Schörghofer, der ebenfalls seine erste WM erlebte, fiel von Platz sieben auf 14 zurück. Nach einer eigentlich "idealen Ausgangsposition", um im zweiten Durchgang Vollgas geben zu können, kam er dann im Finale nicht mehr so schön auf Zug. "Trotzdem habe ich viel gelernt bei dieser ersten WM-Teilnahme, ich glaube, ich habe es ganz gut gemacht." Bitter sei, dass er durchgereicht worden sei. "Aber wenn ich einmal zwei gute Läufe runterbringe, bin ich ganz vorne."

Hannes Reichelt hatte als 31. den Einzug in das Finale verpasst, weil ihn der letzte Teilnehmer, der mit Nummer 75 gestartete Qualifikant Naoki Yuasa aus Japan, noch aus den Top-30 verdrängte. "Ich hatte schon beim dritten Tor einen schweren Fehler, ich habe keinen Rhythmus gefunden", erzählte der 28-jährige Reichelt, der auf den zwischendurch zuwege gebrachten schnellen Schwüngen aufbauen will. Ihm habe nach dem Problem mit dem Sprunggelenk und der Grippeerkrankung der Rennrhythmus gefehlt. "Bei mir spielt es derzeit einfach nicht mit."


Endstand:
1.Carlo JankaSUI2:18,820.001:08,251:10,57
2.Benjamin RaichAUT2:19,53+0,711:08,731:10,80
3.Ted LigetyUSA2:19,81+0,991:09,961:09,85
4.Marcel HirscherAUT2:19,88+1,061:09,401:10,48
5.Massimiliano BlardoneITA2:20,49+1,671:09,211:11,28
6.Didier CucheSUI2:20,51+1,691:09,381:11,13
7.Jean-Baptiste GrangeFRA2:20,57+1,751:09,901:10,67
8.Alexander PlonerITA2:20,60+1,781:10,241:10,36
9.Aksel Lund SvindalNOR2:20,61+1,791:10,461:10,15
10.Marc BerthodSUI2:20,76+1,941:10,551:10,21
11.Davide SimoncelliITA2:20,86+2,041:10,591:10,27
12.Manfred MölggITA2:21,15+2,331:09,441:11,71
13.Truls Ove KarlsenNOR2:21,25+2,431:10,201:11,05
14.Philipp SchörghoferAUT2:21,30+2,481:09,841:11,46
15.Gauthier de TessieresFRA2:21,65+2,831:10,851:10,80
16.Marcus SandellFIN2:21,72+2,901:11,771:09,95
17.Jukka LeinoFIN2:22,27+3,451:11,761:10,51
18.Bernard VajdicSLO2:22,59+3,771:11,311:11,28
19.Felix NeureutherGER2:22,66+3,841:12,111:10,55
20.Didier DefagoSUI2:22,70+3,881:10,781:11,92
21.Robbie DixonCAN2:22,84+4,021:12,271:10,57
22.Krystof KryzlCZE2:22,89+4,071:12,601:10,29
23.Ales GorzaSLO2:23,02+4,201:11,351:11,67
24.Niklas RainerSWE2:23,49+4,671:12,641:10,85
25.Cristian Simari BirknerARG2:24,30+5,481:12,481:11,82
26.Tim JitloffUSA2:24,55+5,731:12,091:12,46
27.Natko Zrncic-DimCRO2:24,74+5,921:13,531:11,21
28.Sergej MaitakowRUS2:25,92+7,101:12,911:13,01
29.Naoki YuasaJPN2:26,79+7,971:13,361:13,43


U.a. nicht für den zweiten Lauf qualifiziert:
31. Hannes Reichelt (AUT) 1:13,58 +5,33

Ausgeschieden:
Im 2. Durchgang: Bode Miller (USA)
Im 1. Durchgang u.a.: Kjetil Jansrud (NOR), Cyprien Richard, Thomas Fanara (beide FRA), Jean-Philippe Roy (CAN), Andre Myhrer (SWE), Jake Zamansky (USA)

(apa/red)

15.2.2009 14:29