Libanesen gedenken Ermordung Hariris:
Wurde vor vier Jahren bei Anschlag getötet
- UN-Sondertribunal nimmt am 1. März die Arbeit auf
- Anhänger von Druse Dschumblatt tödlich verletzt

·Libanons "nationaler Widerstand" Hisbollah
Seit 1982 als verlängerter
Arm Teherans aktiv
Hunderttausende Libanesen haben am Samstag in Beirut der Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri vor vier Jahren gedacht. Sie versammelten sich auf dem Märtyrerplatz im Zentrum der Hauptstadt und hielten Fotos des am 14. Februar 2005 ermordeten antisyrischen Politikers und seines Sohnes Saad Hariri in die Höhe. Am Rande der Kundgebung wurde ein Anhänger von Drusenführer Walid Dschumblatt tödlich verletzt.
"Die Stunde der Wahrheit und der Gerechtigkeit hat geschlagen", rief Saad Hariri mit Blick auf das UN-Sondertribunal, das vom 1. März an in Den Haag die Hintergründe des Attentats aufklären soll. "Die Wahrheit klopft an die Türen derjenigen, die an einer Reihe von Verbrechen gegen den Libanon teilgenommen haben." Bei dem Attentat in Beirut waren neben Hariri noch 22 weitere Menschen ums Leben gekommen. Viele Libanesen machten das Nachbarland Syrien verantwortlich, die Regierung in Damaskus bestreitet aber eine Mittäterschaft.
Unterstützung für Sondertribunal
Die britische Regierung erklärte, sie werde das Sondertribunal für den Libanon unterstützen, es müsse "Gerechtigkeit herrschen". Am Donnerstag hatte bereits US-Präsident Barack Obama dem Sondertribunal seine Unterstützung zugesichert, damit "die Verantwortlichen für dieses schreckliche Verbrechen" und eine Reihe späterer Anschläge gegen antisyrische Politiker vor Gericht gebracht würden.
Die Kundgebung zum Jahrestag der Ermordung Hariris war bereits von der in rund drei Monaten geplanten Parlamentswahl geprägt. Neben der Nationalflagge des Zedernstaats schwenkten die Teilnehmer auch Fahnen der antisyrischen Parteien, die bei der Parlamentswahl kurz nach dem tödlichen Anschlag auf Hariri die Mehrheit gewonnen hatten. Die Wahlen im Juni seien "unser Rendez-Vous mit der Entscheidungsfreiheit, der freien Meinungsäußerung, dem freien Vaterland", rief Saad Hariri, der eine der Stützen der antisyrischen Mehreit im Parlament ist.
Trotz starker Sicherheitsvorkehrungen gab es am Rande der Großkundgebung in Beirut einige Handgreiflichkeiten. Dabei wurde Lutfi Seineddin, ein Mitglied der Sozialistischen Fortschrittspartei (PSP), so stark verletzt, dass er am Sonntag starb. Anhänger der pro-syrischen und anti-syrischen Kräfte hatten sich mit Steinen beworfen und mit Knüppeln aufeinander eingeschlagen.
(apa/red)
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