Wagner ist "innerlich frei": Umstrittener Geistlicher nach seinem Rücktritt erleichtert
- Verzichtet "aus freien Stücken" auf das Bischofsamt
- Krisensitzung: Gemeinsamer Hirtenbrief wird erwartet
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Der umstrittene Geistliche Gerhard Maria Wagner wird nun doch nicht Linzer Weihbischof. Einen Tag nach der Bitte um die Rücknahme seiner Bestellung zeigt er sich erleichtert: "Dieser Rücktritt geschieht aus freien Stücken", sagte der bisherige Pfarrer von Windischgarsten. "Ich bin sehr erleichtert aufgestanden, im Vergleich zu den letzten Nächten", so Wagner.
Er habe "von Anfang an, als ich ernannt wurde, natürlich den Widerstand gespürt", bekannte der Geistliche im Ö1-Morgejournal - er müsse "auch ehrlich sagen, auf sehr oft unbarmherzige und lieblose Weise". Er habe sich oft die Frage gestellt, was er tun soll, was gut sei für die Kirche. "Das war dann letztlich auch für mich jetzt die Entscheidung, dass ich gesagt habe, ich gebe den Auftrag an den Papst zurück", so Wagner.
"Innerlich frei"
Es sei "innerlich frei" und glücklich über diese Entscheidung, "wenngleich ich weiß, es gibt andere, die darüber nicht glücklich sind". Zu seiner persönlichen Zukunft erklärte Wagner, er wolle weiterhin in seiner Pfarre tätig sein: "Ich bin bisher Pfarrer in Windischgarsten gewesen und werde auch in Zukunft Pfarrer in Windischgarsten sein". Er habe sich "bisher gefreut und freue mich jetzt auch wieder, mich dieser Aufgabe ganz widmen zu können".
Druck nachgegeben
Wagner hatte zuvor dem öffentlichen Druck nachgegeben und um die Rücknahme seiner Bestellung gebeten: "Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof zu dem Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten", hieß es in einer von der Diözese Linz veröffentlichten Erklärung. Laut der katholischen Nachrichtenagentur "Kathpress" hat der Vatikan dieser Bitte entsprochen. Der Rückzieher erfolgte einen Tag vor der Krisensitzung der Bischofskonferenz.
Der bisherige Pfarrer von Windischgarsten kam mit seinem Verzicht einem drohenden "Volksbegehren" zuvor. Oberösterreichische Geistliche wollten möglichst viele Unterschriften sammeln und so den designierten Weihbischof dazu aufzufordern, sein Amt nicht anzutreten. Auch Bischof Schwarz hätte davon überzeugt werden sollen, Wagner nicht zu weihen.
Homosexuelle, Harry Potter und Katrina
Wagner hatte mit umstrittenen Theorien zur "Heilung" von Homosexuellen, zu angeblich satanistischen "Harry-Potter"-Büchern und zum Hurrikan Katrina als Strafe Gottes bereits vor seiner Berufung zum Weihbischof für Kopfschütteln gesorgt. Protest kam nicht nur von der Basis, selbst eine große Mehrheit der Dechanten der Diözese sprachen sich gegen Wagners Weihe aus.
Hirtenbrief erwartet
Nach Beginn der Krisensitzung der österreichischen Diözesanbischöfe zur Kirchenkrise sind erste Details zu den möglichen Ergebnissen bekanntgeworden. Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, erwartet sich einen gemeinsamen Hirtenbrief der Bischöfe, in dem den Gläubigen erklärt werden soll, was vorgefallen sei.
Zum erwarteten gemeinsamen Hirtenbrief sagte Leitenberger nur so viel: "Was können wir tun, wie geht der Weg weiter?" Der Erzdiözese-Sprecher bestätigte auch, dass es sich bei der Krisensitzung der Bischöfe um einen einmaligen Vorgang in den letzten zwei Jahrzehnten handelt. Kardinal Schönborn, Vorsitzender der Bischofskonferenz, nehme ohne Zweifel seine Aufgabe und Verantwortung sehr ernst.
(apa/red)
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