Mittwoch, 26. August 2009

"Schuldig" & "Schuldig" im Terror-Prozess:
Gericht bestätigt 4 Jahre und 22 Monate Haft

  • Wien: "Warum geben Sie mir nicht gleich 10 Jahre?"
  • Mona S. bezeichnete Verurteilung als "Frechheit"

Mit exakt demselben Urteil wie im ersten Rechtsgang ist im Wiener Straflandesgericht nach siebenstündiger Beratung die erste Berufungsverhandlung im Terror-Prozess zu Ende gegangen: Mohamed M. und Mona S. wurden im vollen Umfang der Anklage schuldig erkannt und zu vier Jahren bzw. 22 Monate unbedingter Haft verurteilt.

Wie beim ersten Mal, kamen die Geschworenen auch in der Neuauflage einstimmig zum Schluss, dass sich sowohl Mohamed M. als auch Mona S. in einer terroristischen Vereinigung betätigt und an einer kriminelle Organisation mitgewirkt hatten. Dem nicht rechtskräftigen Wahrspruch zufolge verfolgte der 23-Jährige demnach die Ziele der al-Qaida, indem er mit einem im Internet verbreiteten "Drohvideo" Deutschland und Österreich zum Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan aufforderte, den Dschihad guthieß und zu Anschlägen während der Fußball-Europameisterschaft aufrief.

"Man hat sich Sündenböcke gesucht"
Auch Mona S. betätigte sich nach Ansicht der Geschworenen propagandistisch für den Terrorismus, indem sie Texte ins Englische übersetzte. Sie bezeichnete die neuerliche Verurteilung unmittelbar nach der Verhandlung als "Frechheit". Das Gericht habe die Beweise für ihre Schuldlosigkeit nicht akzeptiert. "Man hat sich Sündenböcke gesucht, die Terroristen sein sollen", meinte sie. Das Gericht habe sich die Urteile "im Vorhinein ausgemacht", vermutete die 22-Jährige.

"Warum nicht gleich 10 Jahre?"
Mohamed M., der von nicht weniger als zwölf Justizwachebeamten bewacht wurde, blieb während der Urteilsverkündung völlig ruhig. Er schüttelte lediglich den Kopf und lächelte, als er gefragt wurde, ob er das Urteil verstanden habe. Danach bemerkte er zu den Geschworenen: "Warum haben Sie mir nicht gleich zehn Jahre gegeben?"

(apa/red)

26.8.2009 20:41