Donnerstag, 12. Februar 2009

Bischof Klaus Küng über die Kirchenkrise:
'Papst weiß, dass das nicht einfach wird...'

  • NEWS: Über den neuen Weihbischof von Linz
  • Österreichs Kirchenkurs und die Piusbruderschaft

Bischof Klaus Küng über den neuen Weihbischof von Linz, über Österreichs Kirchenkurs und zur Piusbruderschaft in St. Pölten.

NEWS: Exzellenz, zur Bestellung des Linzer Weihbischofs Wagner. Kardinal Schönborn war überrascht, der Grazer Bischof Kapellari sagte hingegen, Österreichs Bischöfe seien wohlinformiert gewesen. Was stimmt?

Küng: Bei jeder Bischofsbestellung gibt es im Vorfeld umfangreiche Befragungen durch den Nuntius. Bischof Kapellari hat sich sehr richtig ausgedrückt – es ist ein offenes Geheimnis, dass bei dieser Bischofsbestellung lange überlegt wurde, sicher mit Einbeziehung des Bischofs von Linz und anderen.

NEWS: Was erneut größte Unruhe in der Kirche auslöst.

Küng: Sicher, bei dieser Bestellung handelte es sich um eine schwierige Frage. Es ist auch völlig richtig, davon auszugehen, und das kann ich persönlich voll bestätigen, dass Papst Benedikt XVI. ein absoluter Kenner der Geschichte, der Vorgänge und der Personen in Österreich wie kein anderer im Vatikan ist. Er weiß genau Bescheid, kennt die Details. Natürlich, das ist jetzt eine schwierige Lage, eine große Herausforderung auch für den neu ernannten Weihbischof selbst, für alle in der Diözese Linz. Der Papst hat sich’s sicher nicht leicht gemacht, und ihm war sicher auch bewusst, dass das alles nicht einfach sein wird.

NEWS: Wohin geht die Kirche Österreichs? Weiter in der milden progressiven Richtung, oder wird das Rad zurückgedreht?

Küng: Wir befinden uns in einem Ringen, das in Papst Benedikt einen starken Halt hat, nämlich das Ringen um Tiefe, um das Wesentliche. Die Kirche und jeder einzelne Christ ist gefordert, sich zu fragen: Worauf kommt es eigentlich an? Was trägt mich? Wohin geht der Weg? In St. Pölten sind wir uns dabei in den vergangenen Jahren näher gekommen, das würde ich auch der Diözese Linz sehr wünschen.

NEWS: Der Glaube verdunste in Europa, sagt der Papst, sagt auch Kardinal Schönborn.

Küng: Richtig. Ich habe oft den Eindruck, dass viele nicht mehr wissen, worum es eigentlich geht – zu Weihnachten, zu Ostern, gar nicht zu reden von Pfingsten. Das sind unsere eigentlichen Probleme. Da stehen wir eher erst am Anfang, dem in geeigneter Weise zu begegnen.

NEWS: Die Piusbruderschaft, heißt es, sei sehr reaktionär-konservativ, die sagt, in Rom säßen mit dem Papst und der Vatikan-Hierarchie die wahren Häretiker, daher müssten sie als die wahren Christen dort aufräumen. Haben Sie da als Diözesanbischof, als verlängerter Arm des Papstes, nicht einzuschreiten?

Küng: Bis jetzt habe ich dazu keinen Auftrag. Ich sage immer, die Kirche ist wie ein breiter Weg, vergleichbar mit einer Autobahn, die drei oder sechs Spuren hat, wo einer mehr rechts, der andere mehr links fährt. Aber es gibt Randsteine und Leitschienen, die man beachten muss, sonst gibt’s Crash. Ich weiß wohl, dass es sowohl "rechts" wie "links" Personen gibt, die nicht auf dem Weg bleiben und unbedingt jenseits der Grenzsteine fahren wollen. Das Gespräch mit ihnen ist sehr mühsam, weil sie den Papst nicht anerkennen und auch den Bischof nicht. Es ist ein Problem, wenn sie die Autorität der Kirche nicht anerkennen. Grade deshalb ist das Thema ja so brisant.

NEWS: Diese müssen jetzt, nach der Zurücknahme der Exkommunikation, von ihren Ansichten abzurücken. Kann es sein, dass Sie der Papst von Amts wegen auffordert, im Jaidhof im Waldviertel tätig zu werden?

Küng: Dazu bin ich selbstverständlich bereit. Wir sind aber noch nicht so weit. Das bestehende Schisma ist durch die Aufhebung der Exkommunikation ja nicht behoben. Dadurch ist ja nur der Schranken hochgegangen, um ein Gespräch beginnen zu können. Die Ampel ist sozusagen von Rot auf Gelb geschaltet worden. Ob die Piusbruderschaft nun bereit ist, sich mit der Kirche wirklich auszusöhnen, wird sich zeigen. Die aktuelle Diskussion wird das alles aber erschweren.

NEWS: Also Bischof Küng bald erneut als diözesaner Krisenmanager wieder im Einsatz?

Küng: Es gehört zu den wichtigen Aufgaben jedes Bischofs, sehr oft Kontaktmanagement betreiben zu müssen.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen News 07/2009.

12.2.2009 09:48