"Gute Chancen auf Enthaftung": Elsner
könnte heute wieder ein freier Mann werden
- Anwälte: Gesundheitliche Folgeschäden als Grund
- Ex-BAWAG-Chef nun fast schon zwei Jahre in U-Haft

·Ex-Bawag-Boss sieht seine Rechte verletzt
Elsner wendet sich an OGH für Menschenrechte
Heute wird am Wiener Straflandesgericht bei einer Haftprüfungsverhandlung entschieden, ob U-Häftling Helmut Elsner das Gefängnis verlassen darf. Der 73-jährige Ex-Banker sitzt seit seiner Überstellung von Frankreich nach Österreich im Februar 2007 nun fast zwei Jahre in U-Haft. Die Anwälte des ehemaligen BAWAG-Chefs haben jetzt den zehnten Enthaftungsantrag eingebracht.
Im Juli 2008 wurde Elsner wegen Untreue, schweren Betrugs und Bilanzfälschung nicht rechtskräftig zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Acht der neun Angeklagten im BAWAG-Strafprozess wurden - ebenfalls nicht rechtskräftig - zu unbedingten Haftstrafen verurteilt. Die Mitangeklagten Elsners, darunter der Spekulant Wolfgang Flöttl, befinden sich auf freiem Fuß.
Staatsanwaltschaft Wien gegen Enthaftung
Die Rechtsvertreter Elsners machen in ihrem Enthaftungsantrag gesundheitliche Folgeschäden der mittlerweile unverhältnismäßig langen U-Haft geltend. Die Staatsanwaltschaft Wien spricht sich weiterhin gegen eine Enthaftung des früheren BAWAG-Generaldirektors aus. In ihrer Stellungnahme zum Enthaftungsantrag geht Staatsanwältin Sonja Herbst weiter von Fluchtgefahr bei Elsner aus. Über den Enthaftungsantrag wird Haft- und Grundrechtsrichter Christian Böhm entscheiden
Neun Enthaftungsanträge abgewiesen
Neun Enthaftungsanträge hatte die frühere BAWAG-Richterin und nunmehrige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner abgewiesen. Elsners Rechtsbeistände zeigten sich vorsichtig optimistisch, ihren Mandanten im zehnten Anlauf freizubekommen. "Rein rechtlich müsste er gute Chancen auf die Enthaftung haben", meinte Anwalt Elmar Kresbach.
Die lange U-Haft Elsners wird mittlerweile auch vom Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg untersucht. Der Menschenrechtsgerichtshof hat fünf Beschwerden des seit 13. Februar 2007 in Wien in Haft befindlichen Ex-BAWAG-Chefs angenommen.
(apa/red)
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