Samstag, 7. Februar 2009

Schwer in die Kreide: Tipps und Tricks für
die Kreditbeschaffung in Zeiten der Krise

  • Euro-Kredite werden mangels Konkurrenz teurer
  • FORMAT: Haushaltsrechnung wird verstärkt geprüft

Wer bei seiner Bank schon verschuldet ist, hat zumindest kein Problem mit der Kreditbeschaffung. In die Kreide zu kommen, also einen neuen Kredit zu erhaschen, ist allerdings schwierig geworden. Alleine zwischen dem dritten und dem vierten Quartal 2008 wurden in Österreich laut Kreditschutzverband KSV um 14 Prozent weniger Konsumkredite vergeben.

Die Wiener Grafikerin Karin Reinhard hatte noch Glück. Sie bekam im Dezember nach mühsamen Verhandlungen einen 80.000-Euro-Kredit für eine Genossenschaftswohnung. Als Besicherungen waren jedoch eine Lebensversicherung mit einer Versicherungssumme von 50.000 Euro, eine zusätzliche Risikolebensversicherung und die Option auf eine Lohnpfändung ihres Lebensgefährten zu leis­ten. Auch eine betuchte Kreditsuchende mit bester Bonität hatte hart um ihre Finanzierung zu kämpfen. Peter Wageneder, Chef der AAA Strategic Finance Finanzberatung: „Mehrere Banken haben es trotz bester Bonität der Kundin und professionell vorbereiteter Kreditunterlagen nicht einmal für nötig gehalten, ein Offert auszuarbeiten.“

Zinsen im Vergleich
Wer heute einen Kredit braucht, muss nicht nur mit bester Bonität punkten, sondern sollte auch die Konditionen sorgfältig vergleichen. Den günstigsten Schalterkredit vergibt momentan die Hypo Vorarlberg mit 5,25 Prozent Verzinsung. Bei der Bawag PSK werden bei bester Bonität für einen Kreditbetrag zwischen 4.000 und 30.000 ab 3,99 Prozent Zinsen verrechnet. Der Haken: Die Bearbeitungsgebühr ist mit einer Höhe von vier Prozent nicht gerade gering. Bei den Hypothekardarlehen ist wiederum die Hypo Vorarlberg tonangebend, sowohl was die fixen als auch was die variablen Zinsen betrifft. Dass es wegen der fallenden Leitzinsen zu einer Verbilligung bei neuen Krediten kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. „In Österreich waren die Aufschläge für Kredite immer schon rund ein Prozent ­geringer als in Deutschland. Europaweit steigen die Liquiditätsaufschläge“, betont Volksbank-Wien-Vorstand Wolfgang Layr. Sprich: Angesichts riesiger Verluste ­hoffen die Banken auf höhere Margen.

Kreditvergabe wie gehabt? 
Die Banken wollen von einer Verschärfung bei der Kre­ditgewährung nichts wissen. Katja Fries, Finanzierungsexpertin der Erste Bank: „Die Kunden sind jetzt vorsichtiger und warten ab. Es gibt keine Verschärfung der Vergaberichtlinien.“ Ins selbe Horn stößt Manfred Aschauer, Vertriebschef der RLB NÖ-Wien: „Nichts Neues bei der Kreditvergabe. Wer früher keinen Kredit erhielt, bekommt auch heute kein Geld.“ Manfred Feichter, Privatkunden-Vertriebsleiter bei der Bawag, ortet aber Veränderungen: „Früher wurde bei der Bonitätsprüfung die Haushaltsrechnung einfach überflogen, jetzt schaut man sich die Kalkulation ­genau an.“ winsurance-Makler Werner Wid­auer: „Fakt ist, dass man sich für ­Finanzie­run­gen viel mehr Zeit nehmen muss. Anträge, die früher in zwei Wochen erledigt waren, brauchen heute sechs Wochen bis zur ­Freigabe.“

Fremdwährungskredit empfohlen
Praktischer Tipp des Experten: Geduldig sein und schauen, dass man doch zu einem Kredit kommt, vor allem, wenn es um Fremdwährungskredite im Schweizer Franken geht. Makler Widauer: „Auch wenn offiziell nicht gerne darüber geredet wird, vergeben kleinere Banken wie etwa die Hypo Vorarlberg nach wie vor Franken-Kredite. Die großen Institute zieren sich.“ Wer es schafft, zu einem solchen Kredit zu kommen, schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits liegt der Zinsvorteil zwischen Euro und Franken trotz des Rückgangs der Drei­mo­natszinsen nach wie vor bei 1,5 Prozentpunkten (Grafik: Euro-Franken-Zinsdifferenz). Finanzierungs­experte Johann Massenbauer ortet einen weiterenVorteil: „Der Kurs des Schweizer Franken zur europäischen Einheitswährung Euro lag in der Vergangenheit im Schnitt bei etwa 1,6 Euro, derzeit hält der Franken bei 1,49 Euro.“ Eine Alternative dazu liefert das Bauspardarlehen. Hier wird der Zinssatz in der Darlehensphase meist an den Euribor gekoppelt, eine Zins­obergrenze von sechs Prozent gibt Sicherheit gegen eine nicht wahrscheinliche, aber durchaus mögliche künftige Zins­explosion.

Lesen Sie die ganze Story im FORMAT 06/09!

7.2.2009 07:59