Montag, 2. Februar 2009

AUA-Deal für Chef der Lufthansa nicht fix:
EU-Auflagen & Kleinaktionäre als Hindernis?

  • Experten nehmen Äußerungen aber nicht allzu ernst
  • Kleinaktionäre sehen Säbelrasseln' & 'Angstwerbung'

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber sieht den AUA-Kauf noch nicht unter Dach und Fach. Strenge EU-Auflagen könnten dem Deal ebenso zum Verhängnis werden, wie der Widerstand von AUA-Kleinaktionären, betonte der Topmanager gegenüber deutschen Medien. Luftfahrtexperten schätzen die Rolle der Kleinanleger jedoch eher gering ein. Sowohl bei der Lufthansa als auch den Vertretern des Streubesitzes befinde man sich lediglich in der Phase der letzten taktischen Manöver.

Kleinanleger, Luftfahrt- und Börseexperten sehen keine Gefahr, dass die Lufthansa bei ihrem Deal an der 75-Prozent-Hürde scheitert, wie sie wissen ließen. Haarig würden schon Beschwerden von Mitbewerbern in Brüssel, die das ganze Verkaufsverfahren neu aufgerollt wissen wollten, glauben Insider.

"Säbelrasseln" und "Angstwerbung"
Der streitbare AUA-Kleinaktionär Heinrich-Rupert Staller sieht in Mayrhubers Aussagen "Säbelrasseln" und "Angstwerbung. Das ist part of the deal", wie er meinte. Er glaubt, dass die Lufthansa sowohl vor der EU als auch mit ihrem Plan, zumindest 75 Prozent (das nötige Annahme-Quorum wurde bei der Vertragsunterzeichnung so angegeben) zu schaffen, durchkommt. Was im übrigen auch der Investor Hans Schmid so sieht. Er sei verhandlungsbereit zu verkaufen, sagte Schmid heute, "aber nicht für 4,49 Euro", er fordert 8 Euro. Er kann sich auch ein nachträgliches Angebot vorstellen. Anlass für eine Sonder-HV sieht er bis auf weiteres nicht. Den Zahlen der AUA vertraut er aber auch nicht mehr.

Schmid sieht ebenso wie Staller jetzt die Aufsichtsräte in der Pflicht. Was bei der AUA passiere, sei ein Trauerspiel mit "leider allzuvielen Akten", findet Staller, der bedauert, in den nächsten Aktionärstreffen den geschassten Vorstandschef Alfred Ötsch nicht mehr zur Verantwortung ziehen zu können. Von ÖIAG-Vorstand und AUA-Aufsichtsratschef Peter Michaelis will er wissen, warum er nicht schon vor Jahren seine Funktion in die Waagschale geworfen habe, wenn er jetzt behaupte, sich von Beginn an immer für die AUA-Privatisierung bemüht zu haben.

Signal für Gewerkschaften & Kleinaktionäre
Börseexperten sehen in Mayrhubers Aussagen keine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns des Deals, allenfalls ein Signal in Richtung der Gewerkschaften in Wien und eben der Streubesitzaktionäre. Sollten Streubesitzer, die gemeinsam gut 10 Prozent besitzen und damit zumindest einen Zwangsausschluss (Squeeze out) verhindern können, aber dahingehend spekulieren, dass ihre Aktien nach der Teilentschuldung im Sommer mehr wert würden, könnten sie zu hoch pokern, warnte der Experte. Denn die 500-Millionen-Entschuldung durch den Bund sei ausschließlich paktiert mit dem Lufthansa-Abschluss. "Ohne Lufthansa gibt es keine Verbesserung".

Die Lufthansa hat ihr Angebot an den AUA-Streubesitz Mitte Dezember schon einmal leicht aufgebessert, von 4,44 Euro je Aktie auf 4,49 Euro. Ende Februar will die Lufthansa das offizielle Angebot formal veröffentlichen.
(apa/red)

2.2.2009 15:01