Wirtschaftskrise hinterlässt Spuren am Arbeitsmarkt: Mehr als 300.000 ohne Job
- Noch heuer sollen etwa 40.000 Kurzarbeiter kommen
- Besonders Jugendliche von der Finanzkrise betroffen
·Mehr Geld & Bildung Ausweg aus Misere?
AK-Chef Tumpel fordert neues Arbeitsmarktpaket
·Mehr Arbeitslose in Österreich - GRAFIK
Über 300.000 Menschen suchen derzeit einen Job
·Kurzarbeit als Antwort auf die Krise?
In Österreich steigen Zahlen dramatisch an

Die Wirtschaftskrise hat am heimischen Arbeitsmarkt schon deutliche Spuren hinterlassen: Die Zahl der Jobsuchenden kletterte im Jänner im Jahresvergleich um 12,2 Prozent auf 301.529 Arbeitslose. Rechnet man die 53.517 in Schulung befindlichen Personen dazu, waren im Jänner 355.046 Personen ohne Arbeit. Dazu kommen derzeit 22.411 Kurzarbeiter. Sozialminister Hundstorfer rechnet damit, dass es heuer noch 40.000 Kurzarbeiter geben wird. Besonders betroffen vom Anstieg der Arbeitslosigkeit sind Jugendliche: Die Jugendarbeitslosigkeit kletterte um 22,9 Prozent auf 48.307 Personen.
Die Arbeitslosigkeit in Österreich werde in den nächsten Monaten weiter dramatisch ansteigen, warnt die Arbeiterkammer und fordert ein weiteres Arbeitsmarktpaket und den Ausbau von Arbeitsstiftungen für Leiharbeiter. Nach der Reform der Kurzarbeit müsse ein weiteres Arbeitsmarktpaket geschnürt werden, mit dem die hauptbetroffenen Arbeitnehmergruppen gezielt unterstützt werden, so AK-Präsident Herbert Tumpel. Gewerkschaftsbund und -jugend (ÖGB und ÖGJ) urgierten die Einhaltung der Ausbildungsgarantie für Jugendliche. Für eine Bildungsoffensive plädierte auch die Caritas.
Kritik von der Opposition
Die Opposition bemängelt die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Regierung. FPÖ-Generalsekretär und Arbeitsmarktsprecher Herbert Kickl sind besonders die Schulungen ein Dorn im Auge, der geschäftsführende BZÖ-Chef Herbert Scheibner kritisiert Kurzarbeit und Bankenpaket. Die Grüne Arbeitnehmersprecherin Birgit Schatz attestiert der Regierung "Planlosigkeit und Überforderung" und verlangt die Umverteilung der vorhandenen Arbeit.
"50.000 sind mir auch recht"
Die Kurzarbeit wird bis Februar auf knapp 30.000 Betroffene steigen. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) rechnet für heuer mit 40.000 Kurzarbeitern. "Wenn es 50.000 werden, ist es mir auch recht", so Hundstorfer bei der Präsentation der aktuellen Arbeitsmarktdaten gemeinsam mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) und AMS-Vorstand Johannes Kopf. Kurzarbeit vor allem in Verbindung mit Qualifizierungsmaßnahmen wird von Hundstorfer und Mitterlehner als wirkungsvolles Mittel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit gesehen.
Stiftung für Leiharbeiter
Als weitere Maßnahmen kündigte Hundstorfer eine Arbeitsstiftung für Leiharbeiter und eine Verbesserung bei der Bildungskarenz an. Im Rahmen einer weiteren Beschäftigungsoffensive soll die Altersteilzeit neu gestaltet werden. Dabei sollen Kleinstbetriebe (unter 20 Beschäftigte) keine Ersatzkräfte für Beschäftigte in Altersteilzeit einstellen müssen.
Jugendliche besonders stark betroffen
Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit waren im Jänner Jugendliche und Männer. Während die Frauenarbeitslosigkeit lediglich um 6,2 Prozent auf 102.570 Betroffene anstieg, erhöhte sich die Zahl der männlichen Jobsuchenden um 15,6 Prozent auf 198.959 Arbeitslose. Bei Älteren (über 50 Jahre) fiel der Anstieg mit plus 8,8 Prozent relativ niedrig aus. Die Beschäftigung dürfte nach vorläufiger Berechnung noch schwach, und zwar um 0,3 Prozent auf 3,343 Millionen, gewachsen sein. Daraus ergibt sich eine Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung von 8,3 Prozent nach 7,5 Prozent im Vorjahr.
Sogar Anstieg im Tourismus
Wie deutlich sich die Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt auswirkt, zeigt die Branchenstatistik. Am härtesten betroffen sind die Leiharbeiter mit einem Plus von 32 Prozent, gefolgt vom produzierenden Bereich mit plus 28,8 Prozent und dem Bau mit plus 10 Prozent. Im Tourismus stieg die Zahl der Arbeitslosen um 6,6 Prozent - trotz Hochsaison. Nach Ländern gab es die kräftigsten Zuwachsraten bei der Arbeitslosigkeit in Salzburg mit plus 26,6 Prozent, gefolgt von Oberösterreich mit plus 21,7 Prozent, Kärnten mit plus 21,1 Prozent und Steiermark mit plus 17,9 Prozent. Am geringsten stieg die Arbeitslosigkeit in Wien mit plus 1,9 Prozent.
Länder sind besorgt
Die steirische Landesregierungsspitze mit LH Franz Voves (S) und LHStv. Hermann Schützenhöfer (V) zeigte sich besorgt über die aktuellen Arbeitsmarktzahlen: "Wir haben alles zu unternehmen, um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu mildern", so Voves. Schützenhöfer meinte, die Politik müsse zeigen, dass sie vorangehe, damit die Wirtschaft nachziehen könne. "Die Situation am Arbeitsmarkt in Oberösterreich erfordert sofortiges Handeln. Daher muss der Arbeitsmarktgipfel am 9. Februar für konkrete Maßnahmen und Beschlüsse genützt werden", fordert Erich Haider, Vorsitzender der SP OÖ.
(apa/red)

