Montag, 9. Februar 2009

ÖSV-Herren stehen nicht mehr auf Speed:
Ernüchternde Bilanz nach Abfahrt & Super-G

  • Erstmals seit 1989 keine Medaille in Speedbewerben
  • Hoffnung auf den "Mr. Zuverlässlich" Benjamin Raich

Val d'Isere muss man aus Sicht der ÖSV-Herren bis dato als Val M'Isere bezeichnen. Erstmals seit der WM vor genau 20 Jahren in Vail blieb die Speed-Fraktion in Abfahrt und Super-G ohne Medaille. "Natürlich haben wir mit dieser Ausbeute keine Freude. Aber wir wissen, dass wir besser sind, als es jetzt im Medaillenspiegel ausschaut", meinte Alpinchef Hans Pum.

"Selbstverständlich werden diese Ergebnisse aufgearbeitet", fügte Pum hinzu, dessen männliche Schützlinge im Super-G Rang 5 (Benjamin Raich) und in der Abfahrt Rang 6 (Hermann Maier) als Topplatzierungen zu Buche stehen hatten. Bereits vor zwei Jahren bei der WM in Aare waren die Herren ohne Abfahrts-Medaille geblieben, damals hatte der mittlerweile zurückgetretene Fritz Strobl mit Super-G-Silber die heimische Speed-Ehre gerettet.

"Aber wenn der Benni im Super-G 16 Hundertstel schneller gewesen wäre und Silber geholt hätte, würde jetzt niemand von Aufarbeitung oder Ähnlichem sprechen. Aber so eng liegen diese Dinge beieinander", weiß Pum nach den sicher auch etwas glücklosen Auftritten auf der Bellevarde-Piste, auf der 1992 Patrick Ortlieb Olympia-Gold in der Abfahrt geholt hat.

Giger heroisiert Walchhofer
Auch Herren-Cheftrainer Toni Giger merkte an, schon schönere Tage als Teamchef erlebt zu haben. "Aber ich bin trotzdem sehr stolz auf meine Mannschaft, denn sie hat wirklich um jeden Zentimeter gekämpft. Sie haben alles gegeben, aber es wollte diesmal einfach nicht sein", erklärte Giger, der vor allem die im Nachhinein nicht gewertete Wiederholungsfahrt von Michael Walchhofer als heroisch hervor strich: "Wir sind alle sehr stolz auf ihn."

Walchhofers nächstes Ziel ist die Rückeroberung des Abfahrt-Weltcups, den in den vergangenen beiden Jahren der Schweizer Didier Cuche geholt hatte. "Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass der Abfahrt-Weltcup für mich das wichtigste Ziel in diesem Winter ist", meinte der Salzburger, der zwei Abfahrten vor Schluss hauchdünn vor Didier Defago, Klaus Kröll und Bode Miller führt.

Kein Köpferollen im Trainerstab
Ein Köpferollen im Trainerstab, wie es bei Misserfolgen im Fußball gang und gäbe ist, ist im ÖSV-Alpin-Team auszuschließen. Veränderungen könnte es - wenn überhaupt - erst nach Saisonende geben. Ein nicht unwesentlicher Grund der historischen Speed-Pleite ist zweifellos das Verletzungspech im laufenden Winter gewesen. Mit Andreas Buder, Hans Grugger und Mario Scheiber fallen derzeit gleich drei Medaillenkandidaten verletzt aus.

Nun hoffen Giger und Co. natürlich voll auf die Techniker, allen vor auf "Mr. Zuverlässlich" Benjamin Raich. Der Tiroler ist in Slalom und Riesentorlauf ein heißer Medaillentipp.
(apa/red)

9.2.2009 18:32