'Canadian Cowboys' hievten Kucera zu Sieg:
WM-Gold bestätigt Aufwärtstrend Kanadas
- Abfahrts-Weltmeister: "Alles oder nichts gefahren"
- Neuer Titelträger hat auch Beziehung zu Österreich

Der neue Abfahrts-Weltmeister John Kucera ist ein Cowboy-Typ. Das ist kein billiges Klischee, sondern gemäß seinem österreichischen Konditionstrainer Kurt Kothbauer die Wahrheit. "John ist ein ruhiger Typ, so ein richtiger Cowboy-Typ aus Calgary. Und seine Freundin ist Country-Sängerin", berichtete Kothbauer über seinen Schützling, der seine Wurzeln vor allem in der ehemaligen CSSR, aber auch in Österreich hat.
Wie einst ab den 70er-Jahren bei den "Crazy Canucks" ist auch die aktuelle kanadische Truppe voll mit wilden Hunden. Das haben sie auch bewiesen, an dem das Motto "Siegen oder Fliegen" geheißen hat. Während seine drei Kollegen Erik Guay, Manuel Osborne-Paradis und Jan Hudec allesamt von der Piste flogen und ausschieden, kam Kucera vor knapp 30.000 Zuschauern mit Startnummer 2 ins Ziel und gewann.
"Wir sind alles oder nichts gefahren, das ist die einzige Möglichkeit in einem WM-Rennen auf diesem Berg. Drei sind leider ausgeschieden, ich habe gewonnen", berichtete Kucera, der die Geschichte der kanadischen Abfahrer so umriss: "Die Crazy Canucks haben den Weg geebnet, und jetzt haben die Canadian Cowboys die Leitung übernommen."
Erfolg für Olympia gerade rechtzeitig
In der Olympia-Region 1988 ist Kucera aufgewachsen, in der Olympia-Region 2010 will er neuerlich für Furore sorgen. Denn für die Kanadier steht kommendes Jahr Heim-Olympia in Vancouver auf dem Programm. "Dieser Erfolg hat viel Druck von unserer Mannschaft genommen. Ich bin mir sicher, dass wir bei Olympia eine schlagkräftige Truppe haben."
Der 24-jährige Kucera, der in der Stunde des Erfolges auch an seinen im Sommer 2006 verstorbenen früheren Trainer und Freund Jason Lapierre dachte, glaubte lange nicht an seinen Sieg, standen nach seiner Fahrt doch die Besten noch oben und durfte am Ende des Teilnehmerfeldes der Österreicher Michael Walchhofer noch ein zweites Mal fahren. "Das war nervenaufreibend" verriet er und meinte weiters, dass sich nun nicht viel für ihn ändern werden. "Ich werde weiterhin so fokussiert bleiben und hoffe, dass ich möglichst viel von dem mit zu Olympia nehmen kann."
Eltern flüchteten über Österreich nach Kanada
Kuceras Eltern waren 1980 aus Brünn über Österreich (Flüchtlingslager Traiskirchen), wo der Vater einige Zeit auf dem Hochkar Skilehrer war, nach Kanada emigriert. John wurde am 17. September 1984 in Calgary geboren und relativ schnell auf Skier gestellt, um den Vater bei seiner Arbeit als "Ski Patrol" begleiten zu können. Am 26. November 2006 (Super-G Lake Louise) feierte Kucera seinen ersten und bisher einzigen Weltcupsieg.
Kuceras Eltern haben den großen WM-Triumph ihres Sohnes nicht in Frankreich, sondern bei den Verwandten in Brünn verfolgt. Nach Wengen und Kitzbühel waren sie noch mitgereist, nach Val d'Isere nicht mehr.
(apa/red)
