Kathrin Zettel stahl Lindsey Vonn die Show:
Wird Niederösterreicherin der Star der WM?
- Vonn freute sich voreilig über aberkanntes Silber
- Zettel baut auf ein Erfolgsrezept namens Sykora

·Totaler Triumph für
Österreichs Ski-Ladies
Zettel holt Superkombi-
Gold, Bronze für Görgl
·"Besser kann es
fast nicht werden"
Weltmeisterin Kathrin
Zettel im Interview
·VIDEO: Zettel & Görgl
beim Après-Ski-Feiern
Die Medaillen-Ladies in
ausgelassener Partylaune
·VIDEO: Kathrin Zettel jubelt über WM-Gold
Weltmeisterin äußerst stürmisch empfangen
·Kombi-Gold für Zettel
'größte Auszeichnung'
Frischgebackene Welt- meisterin im Word-Rap
·Vonns Ausfall ebnet
Görgls Weg zu Bronze
27-Jährige vom Rausch
der Gefühle übermannt
·Harte Arbeit wird
nun endlich belohnt
KLICKEN: Die 27-jährige
Elisabeth Görgl im Porträt
·Zettels Jagd auf Gold
ist von Erfolg gekrönt
Die Karriere der jungen
Weltmeisterin in BILDERN
·"Mit Gold habe ich
nicht gerechnet"
Stimmen zum Kombi-
Triumph der ÖSV-Damen
Weidwunde Tiere sind gefährlich, sicherlich, weidwunde Tiere sind aber auch angeschlagen. Legt man auf die Jäger-Sprache um, was sich in der Super-Kombination der Damen abgespielt hat, dann kann man meinen, dass Weltmeisterin Kathrin Zettel ob des Ausfalls von Lindsey Vonn (USA) jetzt eine sehr große Chance hat, der weibliche Superstar der alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Val d'Isere zu werden. "Natürlich, da muss aber alles passen, ein Anfang ist einmal gemacht. Passieren kann sehr viel, wie wir gesehen haben", sagte die 22-jährige Niederösterreicherin, als sie ihre erste Einzelmedaille in Händen hielt.
Während Zettel über Gold in Jubel ausbrach, brach es Lindsey Vonn schier das Herz. Als vermeintliche Silbermedaillengewinnerin stand sie schon im Zielraum für das Siegerbild, lächelte in die Kamera, als ihr wenig später Ehemann Thomas zu verstehen gab, dass sie disqualifiziert worden war. "Ich bin frustriert und verwirrt, ich dachte, ich habe die Medaille. Wenn man das glaubt, und dann wird sie einem genommen, dann ist das wirklich hart", stammelte die 24-Jährige Super-G-Weltmeisterin, deren Traum von fünf Einzelmedaillen in Savoyen damit geplatzt war.
Erfüllt hat sich hingegen jener von Zettel - früher als gehofft. "Ich hätte es mir mehr für den Riesentorlauf vorgenommen. Aber das kann ja noch passieren. Schauen wir mal, für den Anfang bin ich überglücklich, schön, wenn es so dahingeht", meinte sie und befand, dass ihre Goldmedaille wie "ein Einser" glänzt. Welches Rezept sie in der Lade hat, um in dieser Tonart weiter zu machen? "Möglicherweise finde ich das Salz, um die Suppe der anderen etwas zu versalzen. Die Anja (Pärson/Anm.) hat ja nicht so eine Gaude da herunter, und die Lindsey hat auch nicht so eine gute Laune gehabt heute."
Erfolgsrezept namens Sykora
Hat ein Thomas jetzt im Leben von Lidnsey Vonn so einen großen Stellenwert, so ist es auch ein Thomas gewesen, der Kathrin Zettel half, den Weg zur Skirennläuferin einzuschlagen. Thomas Sykora, mit dem und dessen Vater die Göstlingerin auf dem Hochkar trainierte und immer noch ihre Schwünge zieht. "Thomas hat eine sehr wichtige Rolle gespielt, speziell auch sein Vater, er ist ein sehr, sehr guter Trainer, er hat mich wirklich wichtige Grundbestandteile und Sachen gelehrt, die mir heute noch sehr viel weiterhelfen. Das war sicher ein Ass im Ärmel." Mit dem Wunsch von ein, zwei Medaillen war Zettel nach Val d'Isere gereist, eine Goldene hatte sie "nicht unbedingt im Kopf".
Ihre Erwartungen haben sich mit dem Kombinations-Gold aber nicht geändert, sie sei so eingestellt, dass sie auf drei Disziplinen fixiert ist. "Da möchte ich einfach mein Bestes geben, nur weil ich jetzt eine Goldene habe, heißt das nicht, dass ich weniger im Slalom oder Riesentorlauf versuchen werde. Da haue ich mich trotzdem ins Zeug. Aber der Druck ist deswegen sicher nicht mehr geworden und ich fühle mich deswegen auch nicht anders", gab die Jägerin und gelernte Köchin zu verstehen.
Kein Start in der Abfahrt
Auf einen Start in der Spezialabfahrt verzichtete sie aufgrund der hohen Verletzungsgefahr.
Das letzte Mal, als sich Zettel verletzt hatte, litt sie lange an den Folgen. Die Schmerzen nach dem Schienbeinkopfbruch am 2. März 2007 in der Weltcup-Super-Kombination in Tarvis spürte sie bis zum Sommer 2008 noch. "In der vergangenen Saison waren immer Schmerzen mit dabei. Das ist vom Kopf her nicht so einfach gewesen, weil man sich doch anders überwinden muss, ich musste öfters die Zähne zusammenbeißen", erinnerte sie sich. Doch auch solche Erfahrungen prägen, und mit den Weltcupjahren gewinne man an Erfahrung und Reife und - wie bei ihr der Fall - an Ruhe und Gelassenheit. "Ich habe mich sicherlich verändert. Und ich denke nicht zum schlechten."
Das wichtigste Ereignis zwischen Verletzung und WM-Gold sei der dritte Platz im Sölden-Riesentorlauf im Oktober 2007 gewesen. "Der war emotionaler für mich als der Sieg in dieser Saison in Sölden. Das war ein wichtiger Punkt für mich, da habe ich gemerkt, wenn man fleißig arbeitet, dann bekommt man auch einmal einen Lohn fürs Durchbeißen."
(apa/red)
