Alle ziehen den Hut vor Didier Cuche: Eine Fahrt der Sonderklasse am Weg zu Gold
- ÖSV-Analyse des Super-G sachlich und vielschichtig
- Walchhofer durch Pause aus dem Konzept gebracht

Der erste Superstar der WM-Herren-Bewerbe in Val d'Isere heißt Didier Cuche. Die Art und Weise seines Super-G-Erfolgs auf der einem Eislaufplatz gleichenden Bellevarde-Piste hat auch der Konkurrenz höchsten Respekt abgerungen. "Cuche war der einzig würdige Gewinner dieses Rennens", meinte etwa Aksel Lund Svindal, der 14 Monate nach seinem schweren Unfall in Beaver Creek sein eindrucksvolles Comeback vorerst mit WM-Bronze gekrönt hat.
Auch die geschlagenen Österreicher zogen den Hut vor dem 34-jährigen und somit ältesten Weltmeister der alpinen Ski-Geschichte. "Cuche ist Sonderklasse gefahren", wusste ÖSV-Herrencheftrainer Toni Giger. "Cuche hat mit einer Sekunde Vorsprung gewonnen, er ist ein richtig würdiger Sieger. Damit kann ich weit besser leben als mit irgendeinem Zufallssieger", lautete die Meinung von Klaus Kröll.
Michael Walchhofer erkannte die Überlegenheit des Eidgenossen ebenfalls neidlos an: "Hut ab, er ist in souveräner Manier Weltmeister geworden." Der US-Amerikaner Bode Miller glaubte sogar, dass Cuche trotz des Vorsprungs von 0,99 Sekunden auf Peter Fill (ITA) nicht ans Limit gegangen ist: "Ich hatte nicht den Eindruck, dass er voll attackiert hat. Meiner Meinung nach ist er konservativ gefahren."
Sachliche Analyse
Die Super-G-Analyse der vier ÖSV-Herren fiel sachlich und recht facettenreich aus. "Ganz klar, das Medaillenziel haben wir verpasst", stellte Giger klar. Am knappsten an einer Medaille war Benjamin Raich (5.) dran. Die These des Tirolers, dass er ohne groben Schnitzer hinter Cuche auf Rang zwei gelandet wäre, unterstrich auch Giger.
Bei der Rennanalyse stoppte die ÖSV-Crew nämlich heraus, dass Raich bei seinen zwei schweren Fehlern insgesamt 0,85 Sekunden und damit "sicheres" Silber liegengelassen hat. Raich, der schon zwölf Medaillen bei WM oder Olympia gesammelt hat, war dennoch mit seinem WM-Auftakt zufrieden. "Das war ein guter Start, ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich werde weiter Gas geben und mich sicher nicht zurückziehen."
Verbremste Fahrt bei Kröll
Kröll (10.) hat seine WM-Premiere fast ein wenig verbremst, der Respekt vor der WM-Piste war größer als notwendig. "Ich habe die ganze Zeit gewartet, dass es eng wird, aber diese Situation ist nicht gekommen. Aber nachher ist man immer gescheiter", meinte der Steirer. Giger betonte, dass Kröll im unteren Teil bei den absolut Schnellsten dabei war.
Walchhofer (13.) wurde exakt zwei Sekunden vor dem geplanten Start aufgrund der Reparatur einer kaputten Torstange zurückgerissen und ließ sich dadurch völlig aus dem Konzept bringen. "Äußerst unangenehm für jeden Athleten", wusste Giger. Walchhofer, der die Skischuhe natürlich bereits rennmäßig auf Anschlag geschlossen hatte, wollte diesen Zwischenfall jedoch nur als halbe Ausrede geltenlassen. "Mir sind die Füße eingeschlafen. Aber das sind Situationen, mit denen man umgehen können muss."
(apa/red
