Haschisch-Raucher & Shoah-Überlebende: Ungewöhnliche Allianzen bei Wahl möglich
- Neue Partei in unterirdischem Nachtclub gegründet
- Gute Chancen für Splitterparteien am 10. Februar
·Stichwort: Neuwahl der Knesset 2009
Etwa 4,8 Millionen Israelis
zur Wahlurne gebeten
·GRAFIK: Alle Daten zur Israel-Wahl 2009
Landesdaten, Knesset-
Sitze & Spitzenkandidaten
Ungewöhnlicher könnte diese Koalition wohl kaum sein: Holocaust-Überlebende und Protagonisten für die Legalisierung von Cannabis haben sich in einer gemeinsamen Liste für die Parlamentswahl in Israel am 10. Februar zusammengeschlossen. Die neue Partei wurde Ende Jänner in einem unterirdischen Nachtclub im Süden von Tel Aviv aus der Taufe gehoben. Sie hofft nun, die relativ niedrige Zwei-Prozent-Hürde für den Einzug in die Knesset überwinden zu können.
Obskure Koalitionen hat es bei israelischen Wahlen schon immer gegeben. Da gibt es Parteien für die Rechte von Vätern, von Behinderten oder von Homosexuellen, für die Errichtung eines nationalen Casinos oder für die Abschaffung von Bankgebühren. Mitunter tauchen solche Verbindungen plötzlich auf und verschwinden dann genau so schnell wieder von der politischen Bildfläche. Bei der Wahl im März 2006 konnte die Partei der Rentner (Gil) von Rafi Eitan mit sieben Abgeordneten in die Knesset und sogar in die Regierungskoalition einziehen. Ob ihr das diesmal wieder gelingt, bleibt abzuwarten.
Die Partei Grünes Blatt (Ale Jarok) ist schon dreimal angetreten, um die Freigabe von Haschisch und Marihuana sowie mehr Rechte für Homosexuelle einzufordern. Ins Parlament schaffte sie es bisher nicht. Nach der letzten Wahl spaltete sich die Partei, und die Splittergruppe erweiterte ihr Programm jetzt um die Forderung nach größerer finanzieller Unterstützung für Holocaust-Überlebende. Diese Gruppe alter Menschen lebt häufig in Armut und ist stets aufs Neue um eine Lobby für ihre Interessen bemüht.
Erwachsenes Grünes Blatt
Die neue Vereinigung nennt sich Erwachsenes Grünes Blatt, um ihre generationsübergreifende Position zu verdeutlichen. Der 74-jährige Yaakov Kfir, der als Kind in Jugoslawien den Holocaust überlebte, begrüßt die Bereitschaft der meist jungen Parteimitglieder, sich für die Belange seiner rund 350.000 Leidensgenossen einzusetzen. Cannabis hat er selbst noch nicht geraucht, sagt Kfir, der auf Platz zwei der Kandidatenliste steht. Er wolle es aber unbedingt mal ausprobieren - "aber erst, wenn es legal ist".
(apa/red)
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