Sonntag, 8. Februar 2009

"Wir bezahlen jetzt den Preis dafür": USA räumen erstmals Fehlern in Afghanistan ein

  • US-Sicherheitsberater Jones will Strategie korrigieren
  • Karzai: Kampf gegen Terrorismus noch nicht zu Ende

Im Kampf gegen radikal-islamische Taliban und Drogenhändler in Afghanistan haben die USA Fehler eingeräumt. "Wir bezahlen jetzt den Preis dafür", sagte James Jones bei der Sicherheitskonferenz in München. Mit einer neuen Strategie, die US-Präsident Obama angeordnet hat, sollen die Fehler aber rasch korrigiert werden, sagte US-Sicherheitsberater weiter.

Der afghanische Präsident Karzai erklärte indes, der Kampf gegen den Terrorismus in seinem Land sei längst noch nicht am Ende. Er rief jene Taliban, die nicht zu Al Kaida oder anderen Terrornetzwerken gehören, zur Aussöhnung und zur Rückkehr nach Afghanistan auf.

Jones: "Zu sehr auf militärischen Teil konzentriert"
Obamas Sicherheitsberater Jones, bis 2006 NATO-Oberbefehlshaber, gab strategische Fehler beim Einsatz der mittlerweile 55.000 Soldaten starken Truppe zu. "Ich denke, wir habe erst allmählich gelernt, dass die Probleme in Afghanistan nicht nur ein Land betreffen, sondern dass es sich um ein regionales Problem handelt", sagte er. "Wir haben uns zu sehr auf den militärischen Teil konzentriert. Der ist wichtig, aber nicht das Einzige." Beispielsweise sei der Aufbau der Polizei vernachlässigt worden. "Wir bezahlen jetzt den Preis dafür."

Scharf kritisierte Karzai, dass nach wie vor 22 private ausländische Sicherheitsunternehmen mit insgesamt 17.000 Angestellten im Lande tätig seien. Karzai reagierte auch auf zunehmende Vorwürfe, seine Regierung tue nicht genug gegen grassierende Korruption. "Herrscht die Korruption? Nein!", sagte Karzai.

Er richtete an die Taliban einen Appell zur nationalen Aussöhnung. "Wir werden alle Taliban, die nicht Al Kaida oder anderen Terrornetzwerken angehören, die in ihr Land zurückkehren und gemäß der Verfassung leben wollen, die Frieden in ihrem Land haben und ein normales Leben führen wollen, in ihr Land heimzukehren", sagte er. (apa/red)

8.2.2009 16:31