Mittwoch, 4. Februar 2009

Vatikan gibt dem Druck nach: Williamson muss seine Holocaust-Leugnung widerrufen

  • Bischof soll sich eindeutig und öffentlich distanzieren
  • Jüdische Organisationen zeigten sich nun zufrieden

Papst Benedikt XVI. hat auf die immer heftigere Kritik im Fall Richard Williamson reagiert und den Holocaust-Leugner zum Widerruf seiner Aussagen aufgefordert. Erst nach einer "unmissverständlichen Distanzierung" von seinen Positionen zum Völkermord an den Juden könne Williamson wieder voll in die Kirche aufgenommen werden, heißt es in einer verbreiteten Erklärung des Vatikans.

Die Pius-Bruderschaft müsse sich zu den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils bekennen, forderte der Heilige Vater. Jüdische Organisationen begrüßten die Erklärung.

Von Anichten nichts gewußt
"Benedikt XVI. hat von den Ansichten Williamsons zur Shoa nichts gewusst, als er dessen Exkommunikation aufgehoben hat", heißt es in der Erklärung des Vatikans. Der britische Bischof hatte in einem Interview erklärt, es gebe Beweismaterial, dass es keine Gaskammern gegeben habe. Am Mittwoch.Vormittag war Benedikt XVI. bei seiner Generalaudienz mit keinem Wort auf den Fall Williamson eingegangen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte, der Vatikan habe mit der Widerrufs-Aufforderung an Williamson klargestellt, dass für Leugner des Holocaust kein Platz in der katholischen Kirche sei und jede Form von Antisemitismus verurteilt. Zollitsch betonte, dass die Pius-Bruderschaft keinerlei rechtliche Anerkennung in der katholischen Kirche genieße.

Jüdische Organisationen zufrieden
Jüdische Organisationen begrüßten die Erklärung des Papstes. "Dies war das Signal, auf das die jüdische Welt gewartet hat", erklärte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sprach vom ersten Schritt zur Wiederaufnahme des katholisch-jüdischen Dialogs.

Der Papst äußerte sich einen Tag, nachdem die deutsche Bundeskanzlerin Merkel von ihm eine eindeutige Erklärung verlangt hatte, wonach es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe. Aus der katholischen Kirche und der CSU wurde Merkel für ihre Einmischung in den Streit scharf kritisiert.
(apa/red)

4.2.2009 22:44