Mittwoch, 4. Februar 2009

Heftige Kämpfe mit tamilischen Rebellen: Über fünfzig Zivilisten in Sri Lanka getötet

  • Getötet durch Artilleriebeschuss in Suranthapuram
  • Einziges Krankenhaus der Region unter Beschuss

Nach mehr als 25 Jahren Bürgerkrieg hat die Regierung in Sri Lanka die endgültige Zerschlagung der tamilischen Rebellengruppe LTTE in den kommenden Tagen angekündigt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Terroristen in ein paar Tagen entscheidend besiegen werden", sagte Präsident Mahinda Rajapakse bei der Militärparade zum 61. Unabhängigkeitstag in Colombo. Sri Lanka sei zum Opfer "der mächtigsten Terrororganisation der Welt" geworden, die viele für unschlagbar gehalten hätten. In den vergangenen zweieinhalb Jahren sei es den Sicherheitskräften aber gelungen, die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) fast vollständig zu besiegen.

Wir bewegen uns in Richtung einer Ära der nationalen Wiedererweckung", sagte Rajapakse. Er rief alle Bevölkerungsgruppen und Parteien in Sri Lanka zur nationalen Einheit auf. An Flüchtlinge im Ausland appellierte der Präsident, angesichts des bevorstehenden "würdevollen Friedens" in ihr Heimatland zurückzukehren. Auch nach dem Sieg über die LTTE stehe das Land vor großen Herausforderungen wie der Armutsbekämpfung, sagte Rajapakse. Es gelte, die Gelegenheit zu nutzen, die sich Sri Lanka 61 Jahre nach der Unabhängigkeit biete. "Die Nation erwartet eine neue Zukunft."

Krankenhaus beschossen
Im Nordosten der Insel wurde nach Angaben von Hilfsorganisationen unterdessen erneut ein Krankenhaus beschossen. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Colombo mitteilte, wurde die in den vergangenen Tagen mehrfach angegriffene Klinik in der Region Mullaitivu auch in der Nacht von Projektilen getroffen. Das IKRK als Betreiber habe daraufhin die Schließung des Krankenhauses veranlasst. Alle Patienten seien evakuiert worden. Nach Angaben von Ärzten in der Region wurden bei dem jüngsten Angriff 14 Menschen getötet. Das IKRK machte keine Angaben zu möglichen Opfern.

Die neue US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr britischer Amtskollege David Milliband zeigten sich "tief besorgt" über die sich verschärfende humanitäre Situation im Nordosten Sri Lankas. Armee und LTTE müssten sich schnell auf eine Waffenruhe verständigen, damit Zivilisten aus dem Kampfgebiet fliehen könnten, forderten die Minister in einer in London veröffentlichten gemeinsamen Erklärung.

LTTE zurück gedrängt
Sri Lankas Armee hat die Tamilen-Rebellen, die einst weite Teile der Insel kontrollierten, auf einen kleinen Streifen Land im Nordosten zurückgedrängt und dort eingekesselt. Hilfsorganisationen haben ihre massive Sorge über das Schicksal der nach ihren Angaben rund 250.000 im Kampfgebiet eingeschlossenen Zivilisten geäußert. Die Regierung wirft der LTTE vor, die Zivilisten dort als menschliche Schutzschilde zu nutzen und sie gewaltsam an der Flucht zu hindern. Die Rebellen kritisieren ihrerseits, die Armee beschieße die Gegend, ohne Rücksicht auf Unbeteiligte zu nehmen.

Die Militärparade fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Innenstadt Colombos war weiträumig abgesperrt. Mehr als 10.000 Polizisten waren zum Schutz der Veranstaltung eingesetzt. Nach Angaben der Armee starben seit Beginn der Offensive gegen die LTTE im August 2006 mehr als 12.000 Rebellen und 3.500 Soldaten. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es nicht. Das Militär gewährt Journalisten und anderen unabhängigen Beobachtern keinen Zugang zum Kampfgebiet. Die LTTE, die auch in der EU auf der Liste der Terrororganisationen steht, kämpft seit 1983 für einen eigenen Staat der tamilischen Minderheit in Sri Lanka.
(apa/red)

4.2.2009 15:13