Obama will Eiszeit mit Teheran beenden:
Kontakte mit "Reich des Bösen" geknüpft
- Angst vor Aufrüstung im explosiven Nahen Osten
- Große aussöhnung scheint jedoch in weiter Ferne

Seit den Tagen der Islamischen Revolution von Ayatollah Ruhollah Khomeini und der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran herrscht politische Eiszeit zwischen den USA und dem Iran. Für das Weiße Haus war der islamische Gottesstaat meist das "Reich des Bösen" (Ronald Reagan) oder gehörte zur "Achse des Bösen" (George W. Bush). Der neue US-Präsident Barack Obama ist angetreten, auch in der Iran-Politik eine Wende herbeizuführen. Seine Botschafterin bei der UNO, Susan Rice, machte am Montag deutlich, dass nun die Zeit für "lebhafte.... und direkte Diplomatie mit dem Iran" gekommen sei.
Dabei macht sich Obama keine Illusionen über den wahren Charakter der iranischen Führung. Die drohende Atombewaffnung Teherans bereite ihm "schlaflose Stunden", wie Obama eingestand. Er fürchte einen Rüstungswettlauf im Nahen Osten, wenn der Iran seine Atompläne nicht aufgebe. Zudem seien die Mullahs Hauptsponsoren des Terrorismus, meinte der Demokrat im Weißen Haus mit Blick auf die iranische Förderung der radikal-islamischen Hamas bei den Palästinensern und der Hisbollah im Libanon.
Herausforderung Atomprogramm
Für den ehemaligen Nahost-Beauftragten Dennis Ross stellen die iranischen Nuklearpläne die "größte außenpolitische Herausforderung" Obamas dar. Der Präsident erwägt US-Medienberichten zufolge, Ross als Iran-Sonderbeauftragten nach Teheran zu schicken, um auszuloten, was eine neue US-Politik bewirken könnte. Der Nahost-Experte hatte noch im September eine baldige Verschärfung der wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen gegen den Iran gefordert, damit Obama wirkungsvoll eine Politik von "Zuckerbrot und Peitsche" einsetzen könne. Als Belohnung winken Teheran vor allem wirtschaftliche Anreize, einschließlich der Option, Mitglied in der Welthandelsorganisation WTO werden zu können.
Aber noch scheint ein "großer Deal" zwischen dem Westen und dem Iran, von dem Optimisten im Washington träumen, in weiter Ferne. Denn Obama hat sich eindeutig festgelegt: "Wir können dem Iran nicht erlauben, nukleare Waffen zu bekommen". Es würde die Region massiv destabilisieren, den Verbündeten Israel bedrohen und Terroristen den Zugang zu Atomwaffen eröffnen. "Dies ist nicht akzeptabel. Ich werde alles tun, um das zu verhindern. Und ich werde niemals die militärische Option vom Tisch nehmen", versicherte Obama noch im Oktober. Priorität hat nun allerdings die Diplomatie, die auch die Fortsetzung "P 5+1"- Gespräche beinhaltet, also die Gespräche zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten des UN-Sicherheitsrats sowie Deutschland.
Ebene der Kontakte bleibt offen
Immer wieder betont Obama, dass er mit "harter und direkter Diplomatie" Teheran umstimmen will. Wobei noch unklar ist, auf welcher Ebene - abgesehen vom Sonderbeauftragten - direkte Gespräche stattfinden könnten. Es ist wenig wahrscheinlich, dass Obama vor einem absehbaren Erfolg der Verhandlungen persönlich mit der iranischen Führung zusammentreffen würde.
Der liberale Publizist Robert Dreyfuss glaubt, dass Obama noch Jahre Zeit hat, sich mit dem Iran zu einigen. Ein "offener Dialog mit Teheran" sei jetzt gefragt, der keineswegs einen baldigen Durchbruch bringen müsse. Das iranische Atomprogramm sei noch immer in Entwicklung, es werde Jahre brauchen, bis die Mullahs militärisch wirklich mit Nuklearwaffen drohen könnten. Der Iran sei, nicht zuletzt wegen der dramatisch gefallenen Ölpreise, ein "schwaches und verarmtes Land, isoliert in der Welt".
Die Konservativen sehen das ganz anders. Obama müsse sich sobald wie möglich "der größten Gefahr überhaupt, der iranischen Atombedrohung, stellen", meinte der Ex-Sicherheitsexperte des Weißen Hauses, Oliver North, im Nachrichtensender Fox News. Er bezweifelt, dass Obama mit diplomatischen Mitteln mehr erreichen werde als die Europäer in den vergangenen Jahren. North verwies auf Geheimdienstberichte und Studien, die zeigten, dass Teheran zielstrebig und erfolgreich die atomare Bewaffnung ansteuere. Der scheidende CIA-Direktor Michael Hayden warnte kürzlich, dass der Iran schon bald über eine Atomwaffe verfügen könnte.
(Von Laszlo Trankovits/dpa)
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