Montag, 2. Februar 2009

Mahdi ist Irans wahres Staatsoberhaupt:
Ahmadinejad beschwört baldiges Erscheinen

  • Schiitische Erlösergestalt als politische Größe
  • Soll Reich der Gerechtigkeit vor Untergang errichten

Der iranische Präsident Mahmoud Ajmadinejad beginnt kaum eine Rede, ohne seiner Hoffnung auf die baldige Wiederkunft des "Mahdi" Ausdruck zu verleihen. Der Glaube an diesen "Erlöser", der kurz vor dem Weltuntergang ein Reich der Gerechtigkeit auf Erden errichten soll, ist ein zentrales Element der im Iran dominierenden Richtung des schiitischen Islam ("Zwölfer-Schiiten").

Beim Mahdi handelt es sich um einen direkten Nachkommen des Propheten Mohammed, von dessen Tochter Fatima und dessen Schwiegersohn Ali, des vierten Kalifen und "ersten Imam". Alis Söhne, Hassan und Hussain, die zweiten und dritten Imame, kamen ebenso wie ihre Nachfolger gewaltsam ums Leben. Nur der Ende des 9. Jahrhunderts im heutigen Irak geborene zwölfte Imam, Mohammed al-Mahdi, wurde im jugendlichen Alter in die Verborgenheit entrückt, um einst als Erlöser wiederzukehren.

Ablehnung der Sunniten
Die Sunniten, die die überwältigende Mehrheit der Muslime bilden, lehnen diese Glaubensvorstellung der Schia ab.

"Für die Schiiten ist der zwölfte Imam - auch wenn er abwesend ist - das einzige legitime Oberhaupt aller Muslime; daher ist er auch nach der heutigen Verfassung der Republik Iran deren eigentliches Staatsoberhaupt, und die durch die Revolution in Iran etablierte Staatsordnung gilt theoretisch als Provisorium", schreibt der Tübinger Islam-Wissenschaftler Heinz Halm.

Die Wiederkehr des Mahdi, so Halm, sei "seit alters her mit utopischen Vorstellungen von der Wiederherstellung jenes Goldenen Zeitalters verbunden", das als die Zeit des Propheten Mohammed allen Muslimen gelte. "Und diese Utopie ließ sich in der iranischen Revolution leicht mit politischem Inhalt füllen: an die Stelle der klassenlosen Gesellschaft oder anderer revolutionärer Zielsetzungen tritt das Reich der Gerechtigkeit, das der Mahdi errichten wird."

Wiederkunft des Mahdi
Wie man sich die Wiederkunft des Mahdi vorstellte, wird durch einen schiitischen Text aus dem 10. Jahrhundert illustriert. Demnach kündigen schreckliche Vorzeichen dessen Erscheinen an. "Mitten im Monat Ramadan wird sich die Sonne verfinstern (...) In Ost und West wird das Land vom Meer verschlungen. (...) Dann werden die Toten aus ihren Gräbern auferstehen (...). Danach werden Wolkenbrüche das tote Land beleben. Alle Krankheiten und Leiden werden von den Parteigängern des Mahdi hinweggenommen..."

Manchen westlichen Experten und Exil-Iranern mutet die von den Vertretern der politischen, religiösen und militärischen Führung des Iran geäußerte Sehnsucht nach der Wiederkehr des Mahdi unheimlich an - nicht zuletzt vor dem Hintergrund des ambitionierten Atomprogramms, den Rüstungsplänen und den Aufrufen zur Vernichtung des "zionistischen Regimes" in Palästina. Zudem gibt es im Iran eine auf die Apokalypse ausgerichtete Sekte, deren Einfluss schwer abzuschätzen ist.

Nach dem Glauben der "Hojjatieh" wird die Rückkehr des Mahdi durch die Schaffung von Chaos auf Erden gefördert. "Vielleicht kann man manche Handlungen der iranischen Regierung auf diese Weise deuten", meinte der aus seiner Heimat geflüchtete Religionsgelehrte Reza Hajatpour 2006 in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse".
(apa/red)

2.2.2009 15:12