Islamische Republik Iran feiert Jubiläum:
Revolutionärer Schah-Sturz vor 30 Jahren
- Vom Westen nie als ernsthafter politischer anerkannt
- Vorsichtige Annäherung nach wahlsieg Obamas

·Obama will Eiszeit mit Teheran beenden
Kontakte mit dem "Reich des Bösen" geknüpft
·Atomprogramm hält die Welt auf Trab
Israel droht mit Angriff auf den Irans Anlagen
·Mahdi-Erlöser: Irans Staatsoberhaupt
Ahmadinejad beschwört baldiges Erscheinen
·INFO: Islamische Revolution im Iran
Der Sturz der pro-
westlichen Demokartie
·GRAFIK: Politisches System im Iran
Geistliche und politische Führung des Landes
Die Islamische Republik Iran feiert am 10. Februar ihr dreißigjähriges Bestehen. In diesen drei Jahrzehnten hat das Land turbulente Zeiten durchlebt, viele Herausforderungen gemeistert. Aber trotz relativer Stabilität wurde der "Gottesstaat" nie vom Westen als ernsthafter politischer Partner anerkannt und ist derzeit international erneut isoliert.
Initiator und Führer der islamischen Revolution war Großayatollah Ruhollah Khomeini, der am 1. Februar 1979 nach 15 Jahren Exil ins Land zurückkehrte. Schah Reza Pahlevi hatte bereits das Land verlassen. Zehn Tage später wurde die 2500 Jahre alte Monarchie abgeschafft. In einem Referendum entschieden sich über 90 Prozent der Wähler für die Islamische Republik Iran. Auch 30 Jahre später begründet das System seine Rechtmäßigkeit immer noch mit dem Ergebnis des Referendums von März 1979. Mehrere Aufforderungen von Studenten und Dissidenten, die gleiche Abstimmung noch einmal zu veranstalten, wurden vehement abgelehnt.
Umstellung für Frauen
Besonders für die iranischen Frauen bedeutete der Umsturz vom Februar 1979 eine drastische Umstellung. Laut islamischen Vorschriften mussten sie nun einen Schleier und einen langen Mantel tragen, damit in der Öffentlichkeit Haare und Körperkonturen nicht zu sehen sind. Für viele der westlich orientierten Frauen war dies eine Zumutung. Trotz strenger Aufsicht der Sittenpolizei ist diese Regelung in drei Jahrzehnten nicht vollständig umgesetzt worden. Aber es gab noch weitere Einschnitte: Frauen durften viele Berufe nicht mehr ergreifen, so etwa nicht mehr Richterin, Polizistin oder Soldatin werden. Musik - außer Marschmusik - wurde genauso verboten wie Schach, Backgammon und alle Kartenspiele.
Die Verfassung, die im Dezember 1979 in Kraft gesetzt wurde, machte Khomeini als Vali Faqih oder obersten geistlichen Führer zum Staatsoberhaupt, dessen Macht größer war als die des vom Volk gewählten Präsidenten. Nach Khomeinis Tod im Juni 1989 erhielt sein Nachfolger, Ayatollah Ali Khamenei, dieselben Privilegien. Demnach hat auch er das letzte Wort bei allen politischen Entscheidungen.
International isoliert
International geriet die Islamische Republik schnell ins Abseits. Todesurteile in Schnellgerichten gegen ehemalige Funktionäre des Schah-Regimes und gegen Dissidenten und vor allem die 444 Tage währende Besetzung der US-Botschaft wurden im Ausland scharf verurteilt. Die Beziehungen zu den USA wurden abgebrochen, und auch Europa verhielt sich dem Iran gegenüber seitdem äußerst reserviert. Hinzu kam ein Krieg mit dem Nachbarland Irak unter Saddam Hussein. Weite Teile der Grenzgebiete im Westen und Südwesten des Iran wurden in dem achtjährigen Krieg (1980-1988) regelrecht verwüstet, über 100.000 iranische Soldaten kamen ums Leben.
Auch nach dem Ende des Krieges stieß der Iran mehrfach auf massive internationale Kritik. Im Februar 1989 sprach Khomeini ein Todesdekret gegen den britisch-indischen Autor Salman Rushdie aus, dessen Buch "Satanische Verse" er als Gotteslästerung betrachtete. Kurz danach wurden auch die Beziehungen zu Großbritannien abgebrochen. Khomeini starb wenig später am 3. Juni 1989. Der Expertenrat, das wichtigste Gremium des Klerus, ernannte den damaligen Staatspräsidenten Ayatollah Ali Khamenei zum Nachfolger.
Leichte Öffnung
Mit der Präsidentschaft der beiden moderaten Kleriker, Akbar Hashemi Rafsanjani (1989-1997) und Mohammad Khatami (1997-2005), folgte eine Öffnung zum Westen und eine Lockerung strenger Vorschriften. Khatami erfreute den Westen mit seiner Vision einer islamischen Demokratie und einem Dialog der Zivilisationen. Das Blatt wendete sich jedoch im August 2005 mit dem Amtsantritt von Mahmoud Ahmadinejad, der nicht nur das kontroverse Atomprogramm gegen den Willen der internationalen Gemeinschaft fortsetzte, sondern auch mit Hasstiraden gegen Israel und die Leugnung des Holocaust für weltweite Empörung sorgte.
Nach 30 Jahren muss sich das Regime in Teheran keine Sorgen um das Überleben machen, denn eine effiziente Opposition ist nach Einschätzung von Beobachtern nicht in Sicht. Demnach haben innenpolitische Gegner um Ex-Präsident Khatami weder Interesse an einem Umbruch des Systems, noch wären sie dazu imstande. Sowohl der einflussreiche konservative Klerus als auch die Revolutionsgarden haben wenig Toleranz für liberale und weltliche Ansichten.
Streben nach Anerkennung
Dennoch will das Land kein zweites Nordkorea werden. Man sehnt sich nach internationaler Anerkennung und will bei regionalen Entscheidungen aktiv mitwirken. Dies hat der Westen bis jetzt nicht zugelassen. Weder die USA noch die Europäische Union sehen derzeit in Iran einen zuverlässigen Partner. Insbesondere die Feindseligkeit gegenüber Israel und die Unterstützung für die im Westen als Terroristen eingestuften anti-israelischen Gruppen sowie die Sorge um die atomaren Pläne führten in den letzten drei Jahren zu einer erneuten Isolierung und zu Sanktionen seitens der Vereinten Nationen.
Das soll nun mit dem neuen US-Präsidenten anders werden. Seinetwegen ist Ahmadinejad über den eigenen Schatten gesprungen und hat Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert.
(Von Farshid Motahari/dpa)
Schwangere abgewiesen15:39
Baby tot: "Kein Fehler"MeduniWien legt entlastendes medizinisches Gutachten aus Deutschland vor
Costa Concordia16:54
Rekordentschädigung?US-Topanwalt verspricht jedem Opfer des Schiffsunglücks 1,5 Millionen Euro
Neues Foto von Breivik13:13
Stoischer MassenmörderNorwegen: Neues Bild zeigt Breivik unmittelbar nach dem Attentat auf der Insel Utöya.
