Kronzeuge spricht mit NEWS: "Ich vermute, auf Israilow waren vier Killer angesetzt"
- Die Hintergründe des Tschetschenen-Mordkomplotts
- "Kaltenbrunner hatte 500.000 für Rückwerbungen"
"Ich vermute, dass auf Umar Israilow mindestens vier Killer angesetzt waren". - Nun spricht der Kronzeuge. Über die Sprengkraft seiner Tonbandbeweise, die wahren Hintergründe des Mordkomplotts und die Macht des Geldes.
NEWS: Wurden Sie von der Polizei schon einvernommen, nachdem Sie vergangene Woche in NEWS enthüllten, dass Israilow und Kaltenbrunner einander kannten?
Vaha Banjaew: Ja, Kriminalbeamte haben mir noch am Erscheinungstag von NEWS einen Besuch abgestattet. Seither gab es drei längere Einvernahmen.
NEWS: Und wie verliefen diese?
Banjaew: Die Beamten waren überrascht darüber, wie viel ich tatsächlich weiß. Ich habe der Polizei auf alle Fälle meine volle Kooperation zugesichert.
NEWS: Was ist mit dem Tonband, von dem NEWS diese Woche Teile wiedergibt?
Banjaew: Es handelt sich dabei um den Anruf eines Informanten im Herbst 2008, den ich aufgezeichnet habe. Der Mann, der ähnlich wie Israilow behauptete, von Kadyrows Leuten gefoltert worden zu sein, berichtet mir darauf, dass Otto Kaltenbrunner versucht hat, ihn anzuwerben.
NEWS: Was verstehen Sie unter anwerben?
Banjaew: Ganz einfach: Präsident Ramsan Kadyrow hat eine Liste angelegt, welche die Namen von ins Ausland geflüchteten Tschetschenen enthält, die ihm gefährlich werden könnten, weil sie zu viel über ihn und seine Gräueltaten wissen. Auf dieser Liste sind etwa 300 Personen angeführt, von denen sich wiederum etwa 50 in Österreich aufhalten. Kadyrow hat nun seine Leute ausgeschickt, um diese Leute anzuwerben und zu einer freiwilligen Rückkehr zu bewegen. Kaltenbrunner war für die Anwerbung
in Österreich zuständig.
NEWS: Und wie läuft eine solche Anwerbung konkret ab?
Banjaew: Kaltenbrunner nahm Kontakt zu diesen Personen auf, versuchte, sie von der Rückkehr zu überzeugen, indem er ihnen Geld anbot, aber auch massiven Druck auf sie ausübte. Mit Israilow soll ein solches Gespräch bereits im Herbst stattgefunden haben.
NEWS: Von wie viel Geld sprechen wir in diesem Zusammenhang?
Banjaew: Mir liegen Informationen vor, wonach Kaltenbrunner über bis zu 500.000 Euro für die Rückwerbungen verfügt haben soll.
NEWS: Was müssen jene befürchten, die sich einer solchen freiwilligen Rückkehr widersetzen?
Banjaew: Sofern sie noch über Familie in Tschetschenien verfügen, wird diesen Personen damit gedroht, dass ihre Weigerung für jene fatale Folgen hätte. Nützt dies auch nichts, müssen sie befürchten, wie Umar Israilow liquidiert zu werden.
Das ganz Interview lesen Sie im NEWS 06/2009
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