Allein gegen die Mafia: Verbrecher-Experte Roth im NEWS-Talk über die Macht der Clans
- Auch bei uns hat die Mafia ihre Finger mit im Spiel
- Österreichischen Polizisten wird Ermittlung verboten
Er ist eine Instanz, und er weiß das auch. Jürgen Roth ist der einzige ernstzunehmende Autor, der sich seit Jahren seriös mit dem Wirken der Mafia im deutschsprachigen Raum auseinandersetzt. In seinem zehnten Buch, Mafialand Deutschland, das diesen Freitag erscheint, zeigt der Autor, wie mächtig die Mafia mittlerweile geworden ist, wie sehr sie Politik und Gesellschaft bereits durchdrungen hat und wie groß die Gefahr ist, die von ihr ausgeht. Seine Recherchen führten Roth auch nach Österreich, dem er ein eigenes Kapitel widmete. Im NEWS-Interview berichtet er vorab von beunruhigenden Fakten.
NEWS: Mafia, so etwas gibts doch bloß im Film oder höchstens in Italien, aber doch nicht bei uns
Jürgen Roth: Betrug, Bestechung, Erpressung, Raub, Käuflichkeit von Politikern, Polizisten und Gewerkschaftern so etwas gibt es auch in Österreich. Und damit die Mafia. Nur sind die Täter hier keine Italiener, sondern mit einem anderen ethnischen Hintergrund. Aber das, was die Mafia mächtig macht, gibt es in Österreich genauso.
NEWS: Sie schreiben, diese Mafia sei in manchen Regionen Österreichs bereits Teil des politischen und gesellschaftlichen Systems geworden. In welcher Weise?
Roth: Ich führe in meinem Buch Beispiele an, wie Polizisten und Staatsanwälte am Ermitteln gehindert werden. Gerade in Wien, wo ja Bürokratie und Politik ihr Zentrum haben, ist Korruption ein großes Problem. Dergleichen gilt auch für Teile der Steiermark, wo ein albanischer Clan große Macht ausübt, während der Polizei die Mittel gekürzt wurden.
NEWS: Ist sich die Politik dieser Probleme nicht bewusst?
Roth: Entweder sind manche Politiker zu dumm, um zu begreifen, was vor sich geht doch so dumm kann man eigentlich gar nicht sein , oder es liegen bei ihnen bestimmte Interessen vor. Ein Beispiel dafür ist die internationale Fußball-Wettmafia. In diese sind auch einzelne österreichische Vereine verstrickt, weshalb Polizeidienststellen zu ermitteln begannen. Doch sobald deren Arbeit Gefahr läuft, Früchte zu tragen, werden weitere Ermittlungen von oben blockiert, um Interessenkollisionen zu verhindern.
NEWS: Woher beziehen Sie eigentlich Ihre Informationen über die österreichische Polizei?
Roth: In den vergangenen zwei Jahren habe ich mit vielen Polizeibeamten in Österreich gesprochen: Viele schämen sich mittlerweile, weil ihnen untersagt wird, in bestimmten politik- und wirtschaftsnahen Bereichen zu ermitteln. Die österreichische Polizei ist ja, aufgrund der Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre, in einem miserablen Zustand, die wird im Ausland gar nicht mehr richtig wahrgenommen. Couragierte und engagierte Beamte sind entweder längst im inneren Exil oder in die Verbannung getrieben worden.
Lesen Sie das Interview in voller Länge im aktuellen NEWS 06/09!
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